Für die Partei „Bündnis 21/RRP“ sitzen Vertreter im Kreistag und in Räten / Jetzt löst sie sich auf

Keine Zukunft für die RRP

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Auf der Homepage erklärt die Partei noch, sich um soziale Themen kümmern zu wollen. Erst beim zweiten Blick zeigt sich, dass sie seit Längerem nicht aktualisiert wurde.

Uelzen/Landkreis. Die Partei „Bündnis 21/RRP“ gibt sich auf der Homepage noch kämpferisch: Sie will sich für die sozialen Belange der Bürger einsetzen, heißt es dort. Die Familien-, Bildungs- und Rentenpolitik soll erneuert werden.

Und immer wieder ist der Slogan zu finden: „Zukunft mit uns“. Besiegelt ist aber nun, dass die Partei keine Zukunft mehr hat. Ihr bisheriger Bundesvorsitzender Dieter Müller aus Bad Bevensen, der unter anderem im Uelzener Kreistag sitzt, kündigt im AZ-Gespräch für Mai die Auflösung der Partei an. Müller sowie weitere Mitglieder, die 2011 bei den Kommunalwahlen den Sprung in politische Gremien der Region schafften, müssen sich eine neue politische Heimat suchen.

Fast acht Jahre wird es die Partei gegeben haben, wenn im Mai ihr Aus beschlossen wird. An einem Sonnabend im August 2007 wurde sie im Münchner Stadtbezirk Lochhausen aus der Taufe gehoben – damals als „Rentnerinnen und Rentner Partei“ (RRP). Der Niederbayer Helmut Polzer war ihr Begründer. Seine Sorge: Rentner könnten zunehmend in Armut leben. 2016 ist das Thema aktueller denn je, erst in dieser Woche wurde es wieder auf die politische Agenda gehoben – profitieren konnte die Partei nicht davon. Rund 100 Mitglieder zählt sie derzeit noch. 3500 waren es zu Spitzenzeiten. Damals sei Begeisterung für die junge Partei zu spüren gewesen, die nicht nur Rentner ansprechen wollte, wie Dieter Müller sagt. Die Partei kann Erfolge bei Kommunalwahlen verbuchen. Seit 2011 sitzen Vertreter im Uelzener und Lüneburger Kreistag, sowie im Bad Bevenser und Uelzener Rat.

Letztlich aber durch den Namen trug RRP das Stigma, eine Partei für Ältere zu sein. 2012 folgte der Versuch, es los zu werden, weil „vielmehr Themen behandelt wurden“, so Müller. Mit der Umbenennung in „Bündnis 21/RRP“ sollten auch jüngere Mitglieder gewonnen werden. Das scheiterte, wie der 69-Jährige einräumen muss. „Der Altersdurchschnitt der Mitglieder ist hoch.“ Erhoffte Erfolge bei Landes- und Bundestagswahlen bleiben aus. Bei der jüngsten Europa-Wahl kann die Partei gar nicht erst antreten, weil nicht genügend Unterstützer gefunden werden. Es kommt zur Erosion, gegründete Landesverbände lösen sich auf. Der niedersächsische Landesverband ist der einzige, den es noch gibt.

Im Uelzener Stadtrat sitzt Jürgen Schirrmeister als Vertreter von „Bündnis 21“. Er attestiert der Partei einen „fehlenden Rückhalt in der Bevölkerung“, ohne den es keine Zukunft gebe. Bernd Wald, der für „Bündnis 21“ im Lüneburger Kreistag und im Samtgemeinderat von Bardowick sitzt, versteht nicht, warum es soweit kommen musste. „Die Jungen“ müssten doch begreifen, dass die Frage, wie die Rente in Zukunft aussieht, auch sie betrifft. „Aber sie sehen das Thema nicht“. Und Ältere würden erklären, dass sie bei ihrer Stammpartei lieber blieben. „So macht das keinen Sinn mehr“, fasst Dieter Müller die Situation zusammen.

Müller hat sich bereits von der Partei losgelöst, erklärte seinen Austritt, will sich weiter politisch engagieren. Zusammen mit der CDU und FDP bildete er im Uelzener Kreistag eine Gruppe. Er hat um die Aufnahme bei den Christdemokraten gebeten, wird künftig damit die CDU-Fraktion verstärken. Das Gleiche gilt für den Bevenser Stadtrat. Jürgen Schirrmeister sucht noch nach einer neuen politischen Heimat. Er will sich keiner „großen Partei“ anschließen, sagt er. Zusammen mit anderen Einzelkämpfern habe er im Uelzener Stadrat eine eigene Meinung vertreten können, das wolle er auch künftig. Und Bernd Wald kündigte an, sich künftig als parteiloser Politiker engagieren zu wollen.

Von Norman Reuter

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