Holdenstedter Ortsrat uneinig / Heuer zieht Antrag für bundesweiten Wettbewerb zurück

Keine Teilnahme als „kerniges Dorf“

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Im neueren Dorfkern Holdenstedts wurde durch den Kauf des ehemaligen Betriebsgeländes einer Sägerei Platz für zwei Einkaufsmärkte gemacht, ein Zahnarzt siedelte sich danach in der Nähe an, ein Steuerberatungsbüro soll folgen. Hier steht auch der Infokasten des Dorfes. Dies sei ein Beispiel für das Beleben des Dorfes, findet der Ortsbürgermeister Hans-Jürgen Heuer.

Uelzen. Die Pläne des Holdenstedter Ortsbürgermeisters Hans-Jürgen Heuer zu einer Beteiligung an dem Wettbewerb „Kerniges Dorf“ sind gescheitert. Grund dafür war eine Uneinigkeit im Ortsrat.

In der Diskussion zu dem Punkt hatten Heuer und das Ortsratsmitglied Dieter Schwutke klargemacht, dass eine Einigkeit für dieses Vorhaben notwendig wäre.

Aus einer mehrseitigen Vorlage hatte Heuer zunächst seinen Appell an die Mitglieder des Gremiums verlesen. Darin betonte er die Vorteile und Bewegungen, die das Dorf aufzuweisen habe. „In unserem Dorf steckt viel Kerniges“, meinte er. Man stelle sich dem demografischen Wandel, habe einen Ortsmittelpunkt geschaffen, versuche leerstehende Gebäude wieder in eine Nutzung zu bringen, habe Naherholungsmöglichkeiten, Handwerksbetriebe, Ärzte, biete eine Möglichkeit, im Grünen zu wohnen und durch die Anbindung an Uelzen in der Stadt zu arbeiten.

Die SPD-Mitglieder Dorothee Chluba-Dorß und Herwig Maaß kritisierten das Vorhaben jedoch: „Was denken Sie, was denn noch entstehen könnte? Ich denke, da geht sehr viel Energie und Zeit verloren“, sagte Chluba-Dorß. Die Energie solle man für das Dorf selbst aufwenden. „Es geht mir darum, einen Prozess anzuschieben“, erwiderte Heuer. Der AZ gegenüber meinte er, dass es eine rechtzeitige öffentliche Diskussion geben müsse, wie man der Verödung von Ortskernen entgegenwirkt. „Mit der Teilnahme am Wettbewerb hätte man einen Aufhänger gehabt, um die Bevölkerung an dieser Diskussion teilnehmen zu lassen.“

Herwig Maaß gab in der Sitzung zu bedenken, dass die Konkurrenz stark sei. „Wir werden verglichen mit Gemeinden bundesweit.“ Er habe Bedenken, ob sich Holdenstedt durchsetzen könne. Zwar gebe es Themen, die aufgegriffen werden müssten, und auch er sei dafür, eine Arbeitsgruppe zu bilden, die auf strukturelle Veränderungen reagiere. Er signalisierte aber, dass er zumindest nicht für den Wettbewerb stimmen würde.

Dieter Schwutke meinte schließlich: „Ist es sinnvoll, darüber abzustimmen, wenn wir eine gespaltene Meinung haben?“ Er bezog sich auch auf die Unstimmigkeiten der beiden Sportvereine im Dorf (AZ berichtete), bei der die Akteure nicht zu einer Einigung fähig seien. Mit Blick auf Maaß, der dem Verein Pro Holdenstedt vorsitzt, sagte er: „Wenn die Initiatoren von Pro Holdenstedt dagegen sind, dann sollten wir das nicht zur Abstimmung bringen.“

Rat suchten sich die Ortsratsmitglieder bei Karsten Scheele-Krogull, dem Baudezernenten und Vertreter der Stadtverwaltung. „Jede Initiative ist zu begrüßen“, sagte der, und Holdenstedt habe einen Vorbildcharakter, was die Aktivität beispielsweise bei Dorffesten angehe. Aber: „Es wäre fatal, wenn schon bei der Abstimmung ein Bruch entsteht.“ Der ganze Ortsrat müsse dahinter stehen.

Heuer zog daraufhin seinen Antrag auf die Teilnahme an dem Wettbewerb zurück. Gegenüber der AZ bedauerte er das: „Leider werden scheinbar der Clinch unter den Sportvereinen und die vorgesehene Teilnahme am Wettbewerb „Kerniges Dorf“ derzeit in einen Topf geworfen.“ Dies führe zu einer negativen Stimmung.

Von Kai Hasse

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