Von Woche zu Woche

(K)eine Qual der Wahl

Stell Dir vor, jeder kann Bürgermeister werden, aber keiner weiß es – oder vielmehr niemand will es werden. Vor dieser kuriosen Situation steht man derzeit in der Samtgemeinde Suderburg.

Gut, keiner stimmt nicht ganz, denn wenn die Suderburger ihren Stimmzettel am 25. Mai in der Hand halten, steht da immerhin der Name Thomas Schulz. Aber eben nur dieser eine Name. Die Bürger haben dann nur die Wahl, ob sie „Ja“ oder „Nein“ ankreuzen. Und das erinnert mehr an eine Wahl in der früheren DDR als an eine Bürgermeisterwahl im vereinten Deutschland im Jahr 2014.

Um es anders zu sagen: Der Geist einer solchen Direktwahl wird ad absurdum geführt durch den Umstand, dass es nur einen Kandidaten gibt. Dafür kann Thomas Schulz natürlich nichts und in den politischen Kreisen Suderburgs ist man sich ja offenbar weitgehend einig, dass da schon der richtige Mann zur Wahl steht.

Und dennoch: Theoretisch würde es reichen, wenn ein einziger Bürger seine Stimme abgibt und „Ja“ ankreuzt – dann wäre Schulz im Amt. Ganz so extrem wird es natürlich nicht kommen, denn auch angesichts der Tatsache, dass parallel die Europawahl stattfindet, werden ein paar Menschen mehr in der Samtgemeinde sich auf den Weg zu den Wahlurnen machen. Aber kurios ist das schon: Vielerorts findet parallel zur ungeliebten Europawahl noch eine zweite Wahl statt, damit die Wahlbeteiligung in Sachen Europa nicht ganz so desaströs ausfällt.

In Suderburg ist es genau andersrum – da schafft womöglich die Europawahl dem Samtgemeindebürgermeister in spe ein halbwegs anständiges Ergebnis. Während man sich also in Suderburg noch etwas irritiert fragt, ob das alles so richtig sein kann, funktioniert in der benachbarten Kreisstadt Uelzen durchaus der Wettbewerb ums Bürgermeisteramt. Ein Bewerber aus dem Rathaus, ein Ortsbürgermeister, ein externer Kandidat – diese Mischung hat ihren Reiz.

Zum einen, weil jeder der Drei mit völlig anderen Ansätzen für sich wirbt. Zum anderen aber auch angesichts des Umstandes, dass bei nunmehr drei Kandidaten eine Stichwahl durchaus im Bereich des Möglichen ist. Und in einer solchen zweiten Runde kann alles passieren, in Uelzen hat man damit schon einige Erfahrungen sammeln können. Uelzen wählt ein neues Stadtoberhaupt – und man kann sich nur wünschen, dass die Wahlbeteiligung am 25. Mai entsprechend groß ist.

Denn für mindestens sieben Jahre wird dieser Mann die Geschicke der Stadt lenken, er wird die Uhlenköperstadt in ein neues Jahrzehnt führen. In Zeiten demografischen Wandels ist das in einer ländlichen Region eine riesige Herausforderung. Und der Gang zur Urne lohnt ja bekanntlich doppelt: So „ganz nebenbei“ kann man auch noch für Europa wählen. - Thomas Mitzlaff

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