Seit einem Jahr gibt es in Uelzen das Hospiz am Stadtwald – Einblicke in die Einrichtung und Diskussionsrunden

„Keine Angst vor den letzten Tagen“

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Bei den Rundgängen fällt der Blick auf den Erinnerungsstein – 161 Namen trägt er.

ute/nre Uelzen. Gerda Heuer aus Duisburg begleitet ihre Nichte zum „Hospiztag“ in den Uelzener Peter-Cordes-Weg.

„Das interessiert mich schon, denn meine Nichte ist aktiv im ambulanten Hospizdienst im Landkreis Uelzen und die arbeiten ja zusammen mit dem stationären Hospiz“, erklärt Heuer. Viele sind am Samstag zum Hospiz am Stadtwald gekommen: Nachbarn, Altenheimbewohner, Mitglieder der Adventgemeinde – und auch einige, die Angehörige in den letzten Lebenstagen in der Einrichtung gut aufgehoben wussten.

Im Mai 2014 wurde das Hospiz eingeweiht – ein Jahr steht es damit nun für Menschen für ihren letzten Weg offen: Beim Hospiztag werden von Ärzten und der Geschäftsführung Erfahrungen zum ersten Jahr artikuliert. Was zeigt sich im Rückblick? Manuela Remmert seitens der Geschäftsleitung: „Hier im Landkreis Uelzen war ein weißer Fleck hinsichtlich Hospizplätze, was auch die Krankenkassen bestätigten. Der Start ist uns gut geglückt.“

Aber Hospize müssten ihre Haushalte eng stricken, denn die gesetzlichen Vorgaben würden besagen, dass lediglich 90 Prozent der Kosten von den Pflege- und Krankenkassen übernommen werden, die restliche Summe müsse vom Hospiz geleistet werden. „Wir sind auf Spenden angewiesen“, sagt Remmert. Weitere Herausforderungen: die Verweildauer und die damit zur Verfügung stehenden freien Plätze.

Ein Hospiz sei natürlich für die letzten Tage gedacht, aber es könnten auch Wochen und Monate sein, schildert die Geschäftführerin. Das Hospiz wurde vom Advent-Wohlfahrtswerk und der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten aufgebaut.

Palliativärztin Dr. Marina Heinze macht deutlich, dass die Sterbenden unterstützt und begleitet würden, aber nicht mehr geheilt werden könnten. Es werde an Symptomlinderung gearbeitet, wozu auch die Angst von jenen gehöre, die im Hospiz aufgenommen würden. „Keine Angst vor den letzten Tagen“, ist am Samstag ein Vortrag überschrieben, der von Pastor Dr. Hans-Otto Reling, Seelsorger im Hospiz, gehalten wird. Oft belaste Angst vor dem Sterben und weniger Angst vor dem Tod die Menschen. Er vermittelt im Beitrag seinen Wunsch, dass am Ende tatsächlich nicht die Angst und der Tod im Mittelpunkt stehen sollen, sondern „die Freude und das Leben“.

Unter Leitung von Aristide Proksch, Hospizdienstleiter in Berlin, geht es in engagierter Diskussion beim Hospiztag auch um ein Pro und Kontra zur aktiven Sterbehilfe. Deutlich wird in der Gesprächsrunde der Wunsch, in Würde sterben zu können.

Die Führungen durch das Hospiz mit seinen Einzelzimmern, den Gemeinschaftsräumen, der Cafeteria und dem Garten, in den sich auch ein Krankenbett schieben lässt, werden gerne angenommen. Im Garten fällt der Blick gleich auf den Erinnerungsstein in Säulenform. 161 Namen fanden dort bislang ihren Platz.

Von Norman Reuter und Ute Bautsch-Ludolfs

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