„Kein Verhinderer des Marktcenters“

Auf dem früheren Wochenmarktgelände soll das Marktcenter entstehen. Der Handelsverein will dieses nicht grundsätzlich torpedieren, fordert aber eine kritische Auseinandersetzung damit. Foto: Ph. Schulze

Uelzen. Der Handelsverein für die Stadt Uelzen reagiert mit Verwunderung auf die jüngsten Aussagen des SPD-Ratsfraktionsvorsitzenden Ralf Munstermann. Dieser hatte die Kritik des Handelsvereins an dem geplanten Marktcenter auf dem früheren Wochenmarktgelände zurückgewiesen (AZ berichtete).

„Im Interview mit Herrn Munstermann wurde der Handelsverein als Verhinderer des geplanten Marktcenters dargestellt. Wir möchten klarstellen, dass dies nicht unsere Position ist“, betont Vereinsvorsitzender Uwe Schwenke. Das Ziel sei vielmehr eine „kritische Auseinandersetzung mit allen für den Erfolg eines solchen Marktcenters relevanten Faktoren“, erklärt er gegenüber der AZ.

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Als Anregung hierfür hat der Handelsverein den Ratsmitgliedern seinen Fragenkatalog zugesandt. „Wir gehen davon aus, dass viele wichtige Punkte, die vor allem die Anbindung der Innenstadtgeschäfte betreffen, noch überhaupt nicht bedacht worden sind“, meint Schwenke. Der Handelsverein wolle zu überlegten Entscheidungen beitragen und sie nicht verhindern.

Er habe, ebenso wie andere Mitglieder des Handelsvereins, an vielen Sitzungen zur Neubebauung des alten Wochenmarkt-Areals teilgenommen, erklärt Schwenke. Dabei sei es aber vor allem um die Auswahl des Investors, um bebaute Flächen und die architektonische Gestaltung gegangen. Im Dezember sei der Entschluss für einen Investor gefallen. „Seitdem hat der Ausschuss keine weiteren Informationen mehr bekommen“, kritisiert Schwenke.

Hier geht's zum Interview mit SPD-Ratsfraktionsvorsitzenden Ralf Munstermann.

Ihm pflichtet Handelsvereins-Mitglied Mike Bergmann bei. Für die Entscheidung sei „jetzt ein extrem knappes Zeitfenster vorgesehen“, sagt er. Am Dienstag, 29. März, ab 18.30 Uhr wird die Stadt die Marktcenter-Pläne der Öffentlichkeit im Uelzener Rathaus vorstellen. „Keine zwei Wochen später soll schon über das Marktcenter entschieden werden. Reicht das für die Einbeziehung der Bürger in die Planung aus?“, fragt sich Bergmann.

Er befürchtet, dass ein Projekt vorschnell vorangetrieben werde, das „den ohnehin schon angeschlagenen Innenstadthandel gefährdet. Eine tote Innenstadt zugunsten eines Einkaufscenters kann kein Uelzener Bürger oder Politiker wünschen.“ Das Risiko einer übereilten Entscheidung dürfe die Stadt bei einer so großen Investition wie dem Marktcenter nicht eingehen, betont auch Schwenke. Er bemängelt zudem, dass es bislang kein aktuelles und unabhängiges Verträglichkeitsgutachten zu dem Bauvorhaben gebe.

Bergmann malt sich ein dramatisches Szenario aus: Das Marktcenter wird gebaut, Unternehmer der Innenstadt verlagern ihre Geschäfte dorthin. Doch dann wird das neue Einkaufszentrum aufgrund einer nicht ausgewogenen Branchenmischung nicht richtig angenommen, und Ankermieter ziehen wieder aus. Bergmann: „Dann haben wir eine angeschlagene Innenstadt und ein fast leerstehendes Marktcenter – exakt so geschehen in Salzwedel. Wollen wir Uelzener das?“.

Von Bernd Schossadowski

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