Trotz verständlicheren Mitteilungen meint Uelzens Rentenberater: „Es wird immer Fragen geben“

Kein Ruhestand im Rentnerleben

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Hält sich auf dem Laufenden: Horst Schönrock.

Uelzen. Spätestens gestern sollten sich die mehr als 20 Millionen Mitteilungen über die kommende Rentenerhöhung auf den Weg gemacht haben. Um 2,18 Prozent werden die Bezüge der Rentner im Westen angehoben, im Osten sind es sogar 2,26 Prozent.

Wenn die mehr als 25 000 Ruheständler aus dem Landkreis Uelzen ihre Briefe öffnen, stellen sie vielleicht einige Änderungen fest: Die Deutsche Rentenversicherung hat zusammen mit Sprachexperten den Wortlaut der Mitteilungen überarbeitet und neu gegliedert. Sie sollen nun verständlicher, übersichtlicher und persönlicher geschrieben sein.

Dass er wegen dieser Neuerungen weniger zu tun bekommt, befürchtet Horst Schönrock, Berater zu Rentenangelegenheiten bei der Stadt Uelzen, jedoch nicht: „Es wird immer Fragen geben“, ist er sich sicher, „sei es im Vorfeld des Rentenantrags oder beim Erhalt des Bescheids.“ Trotzdem begrüßt er die Bemühungen um eine verständlichere Ausdrucksweise, weiß aber auch: „Es ist sehr schwierig, juristisch komplexe Sachverhalte einfach auszudrücken, ohne dass sie ihre Verfahrenssicherheit verlieren.“

Aber bloße Begrifflichkeiten sind auch nicht das einzige Anliegen, mit denen sich Bürger an den 62-Jährigen wenden. Die meisten Fragen drehten sich um formelle Dinge, wie den richtigen Zeitpunkt der Antragsstellung oder die darin zu machenden Angaben. Auch die genauen Übergangsregelungen zum angehobenen Renteneintrittsalter für die Jahrgänge 1947 bis 1964 sorgten für Gesprächsbedarf. Schönrock erklärt seinen überwiegend älteren Besuchern dann genau, zu welchem Zeitpunkt sie mit welchen Abzügen rechnen müssen. Den Rentenantrag kann er mit einem EDV-Programm auch direkt am Computer ausfüllen, wenn ein angehender Ruheständler bei den rund 50 gefragten Einzelangaben nicht ganz durchblickt.

Um selbst auf dem Laufenden zu bleiben, besucht der Stadtangestellte alle ein bis zwei Jahre ein Seminar, das von der Deutschen Rentenversicherung angeboten wird. Seit 1984 sind die Rentenangelegenheiten sein Spezialgebiet, zuvor durchlief er auch andere Bereiche, wie das Steueramt oder die Bauverwaltung. „Aber schon bei meiner Ausbildung hat mir das Sozialversicherungsrecht am meisten Spaß gemacht“, erinnert sich Schönrock, „und man arbeitet hier direkt mit Menschen.“

Schon sein ganzes Leben lang wohnt Schönrock in Westerweyhe, seit seinem elften Lebensjahr am gleichen Ort: seinem Elternhaus. Selbst als er im Anschluss an seine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten bei der Regierungskasse beruflich täglich nach Lüneburg pendeln musste, dachte er nicht an einen Umzug. Anfangs gefiel es ihm, „aber nach zwei Jahren stand mir das ständige Fahren bis hier“, räumt er ein. Glücklicherweise bot sich ihm kurz darauf die Gelegenheit, in Uelzen zu arbeiten: Am 1. Januar 1973 trat er seinen Dienst bei der Stadtverwaltung an. Auch über seinen eigenen Ruhestand hat sich Schönrock natürlich schon Gedanken gemacht: „Im Februar 2015 bin ich 65 Jahre alt und falle dann mit meinen mehr als 45 Jahren Berufstätigkeit unter die Regelung für besonders langjährige Rentenversicherte“, erklärt der Westerweyher, „das heißt, mir steht meine Rente dann abschlagsfrei zu.“

Viele erhalten die Zahlung erst im Nachhinein, aber manche Uelzener profitieren schon etwas früher von der Erhöhung, verrät Schönrock: „Wer seine erste Rentenzahlung vor dem 1. April 2004 erhalten hat, bekommt sie vorschüssig – also zu Beginn eines jeden Monats.“

Von Karsten Tenbrink

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