Von Woche zu Woche

(K)ein Platz für Menschlichkeit

Uelzens größter Arbeitgeber ist kein Betrieb wie jeder andere. Hier wird kein Eis produziert, werden keine Autos repariert oder Zuckerrüben verarbeitet.

Hier soll kranken Menschen geholfen werden, hier sollen Schwerverletzte behandelt und Todkranken würdige letzte Monate gegeben werden. Dieser Betrieb sollte ein Ort der Menschlichkeit sein.

Thomas Mtizlaff

Hunderte Pfleger, Ärzte, Krankenschwestern arbeiten rund um die Uhr im Uelzener Klinikum, um Menschen in Not zu versorgen. Doch dieser Hilfsgedanke, der über allem stehen sollte, hat seine Grenzen in Bilanzen, in nackten wirtschaftlichen Zahlen. Diese Botschaft hat der Betreiber des Krankenhauses, die Helios-Klinikum-Gruppe, mit dem Austausch des Geschäftsleitung ausgesandt. Der freigesetzte Geschäftsführer Franz Caesar hat in seiner jahrzehntelangen Tätigkeit den Spagat versucht, einerseits Konzernbossen gewünschte Zahlen zu präsentieren, andererseits den Mitarbeitern einen guten Arbeitsplatz zu bieten – in Zeiten, in denen Patientenversorgung eher an Fließbandarbeit erinnert.

Er hat das Uelzener Klinikum geleitet, als es noch vom Landkreis betrieben wurde, er hat Drahtseilakte vollführt, als die Einrichtung vom Rhön-Konzern übernommen wurde und die Aktionäre Dividenden sehen wollten. Und er hat auch versucht, nach der Übernahme durch Helios der Philosophie der neuen Besitzer gerecht zu werden.

Doch Caesar war den neuen Chefs offenbar nicht rücksichtslos genug. Er kannte die Lebensläufe der Mitarbeiter, das Innenleben des Klinikums; er wusste, was machbar ist und womit er dem Krankenhaus auf Dauer schaden würde. Doch Helios will Fallzahlen um jeden Preis, auf der Homepage wirbt die Gruppe ganz ungeniert damit.

Jetzt soll es ein 26-jähriger Geschäftsführer richten, auf Kurs gebracht im eigenen Unternehmen und ohne jegliche soziale Bindung in die Region. Dem jungen Mann kann man keinen Vorwurf machen, er ist Instrument eines gnadenlosen Systems. Er wird knallharte Vorgaben haben, zeitlich und finanziell. Und er wird irgendwann weiterziehen.

Man muss sich Sorgen machen um die Mitarbeiter des Klinikums, die ihren Job mit so viel Engagement ausführen, die sich doch eigentlich das Helfen auf die Fahnen geschrieben haben und schon heute ersticken in mehr Arbeit und in Bürokratie. Und die diese gnadenlose Botschaft ihres Arbeitgebers erst einmal verkraften müssen – dass für Menschlichkeit kein Platz ist.

Von Thomas Mitzlaff

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