Landwirtschaftsminister Gert Lindemann besucht Bohlsener Mühle

(K)Ein Öko-Trip

Erwarteten Landwirtschaftsminister Lindemann: Demonstranten gegen den Bau der Mastanlage in Holthusen. Fotos: Huchthausen

Bohlsen/Landkreis. Vor 33 Jahren übernahm Volker Krause die väterliche Mühle und Gert Lindemann wechselte vom Gifhorner Amtsgericht ins Landwirtschaftsministerium in Hannover.

Heute ist Krause einer der erfolgreichsten Öko-Unternehmer im Norden (Bohlsener Mühle) und Lindemann (CDU) Landwirtschaftsminister. Bei der Einweihung des 3000 Quadratmeter großen Betriebserweiterung des Bio-Betriebs am Sonnabend in Bohlsen klärte Lindemann zunächst die geladenen Gäste darüber auf, dass sein Besuch bei der „Ökologischen Landpartie“ kein Trendwechsel in der niedersächsischen Landwirtschaftspolitik bedeute. In Niedersachsen gebe es 90 Prozent konventionelle und nur zehn Prozent ökologisch wirtschaftende bäuerliche Betriebe. „Für mich sind beide Formen der Landwirtschaft gleich wichtig“, so Lindemann.

Die im Kreis heftig diskutierten Hähnchenmastanlagen waren für den Landwirtschaftsminister hingegen kein Thema – obwohl Krause zuvor seine großen Bedenken über die in unmittelbarer Nähe zu seinem Bio-Betrieb geplante Mastanlage angesprochen hatte. In Holthusen II, etwa 600 Meter Luftlinie von Krauses Unternehmen entfernt, gibt es bereits eine Mastanlage mit 40 000 Hähnchen, die jetzt auf bis zu 160 000 Tiere erweitert werden könnte. Ihm werde „Angst und Bange“ angesichts dieser Dimensionen, sagte Krause: „Jenseits juristischer Bewertungen bitte ich hier alle Beteiligten um Zweierlei: Eine gründliche Güterabwägung und Risikobewertung sowie einen offenen Dialog auf der Suche nach denkbaren, konfliktfreien Lösungen. Noch ist Zeit dafür.“ Er befürchtet durch den Hähnchenmastbetrieb nicht nur einen Imageschaden für sein Unternehmen, sondern auch mögliche Keimbelastungen durch den Hühnertrockenkot.

Landrat Dr. Heiko Blume appellierte an „Investor und Betroffene“ sich zu verständigen. Er mache sich Sorgen um das Miteinander auf den Dörfern, laut Landrat haben jedoch weder die Gemeinde noch der Kreis eine rechtliche Handhabe die Mastanlage zu verhindern. „Haben sie doch“, so ein Zwischenruf aus dem Publikum, auf den Blume jedoch nicht einging. Genauso wie Lindemann auf die Hühnermast-Gegner, die mit Plakaten vor der Tür des Betriebs am Neuen Weg auf den Minister warteten: Der wählte jedoch einen anderen Ausgang, um zum Bauckhof in Klein Süstedt und Ellernbergs Kartoffelvielfalt zu fahren. Zum Hoffest auf dem Gelände der Mühle in Bohlsen war Lindemann dann wieder da, ließ sich von Krause die Keimzelle des Öko-Unternehmens zeigen. Seite 5

Von Wiebke Brütt

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