Katzen zwischen Müllbergen

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Vom Keller bis unter das Dach häufen sich die Müllberge. Zwischen ihnen tappsten etwa zehn kranke Katzen herum.

Uelzen - Von Diane Baatani. Der Uelzener Tierschutzverein und das Veterinäramt des Landkreises Uelzen mussten am Donnerstagnachmittag schnell handeln. In einem völlig verwahrlosten und verlassenen Haus an der Brauerstraße in Uelzen lebten zwischen meterhohen Müllbergen mehr als ein Dutzend Katzen. Acht unterernährte Tiere wurden bereits gefunden, zwei weitere werden noch in dem Chaos vermutet. Dass die Vierbeiner sehr geschwächt sind und sich kaum bewegen können, erschwert die Suche. Ein Perserkater war so dehydriert, dass für ihn jede Hilfe zu spät kam.

„So etwas habe ich auch noch nicht gesehen und gerochen“, berichtet die Vorsitzende des Uelzener Tierschutzvereins, Karin Rothe. Zwischen dem Unrat hätten sich tausende von alten Futterdosen getürmt und Berge von Katzenkot. „Die Tier sind dermaßen malade und unterernährt. Wir müssen sie supeppeln mit stündlicher Fütterung.“

Die neue Eigentümerin, die das Haus nahe der Innenstadt jüngst ersteigert hat, ohne zunächst das Innenleben zu kennen, benachrichtigte entsetzt am Donnerstag Rothe und ihre Mitarbeiter. Zunächst sei die Rede von zwei bis drei Katzen und Müllhaufen bis unter das Dach gewesen. Die Vorbesitzerin der Räume konnte nicht erreicht werden. Rothe setzte sich daher mit dem Veterinäramt in Verbindung.

Der stellvertretende Amtsleiter Dr. Jörg Pfeiffer sowie die Schriftführerin des Tierschutzvereins, Kristin Zangi, und die Katzenschützerin Erika Herkt-Skupin stellten daraufhin, ausgestattet mit Stiefeln, Handschuhen und Masken im gesamten Haus Katzenfallen auf. Bis Mitternacht war ein Großteil der Katzen eingefangen, die tierärztlichen Untersuchungen zogen sich bis in den Freitag hinein. Eine der Katzen mache „einen etrem klapprigen Eindruck“. Nun haben sie einen Platz im Tierheim, obwohl ohnehin „die Kapazitäten schon weit überschritten sind“, wie Rothe betont.

Noch ist unklar, wer die Katzen in den verdreckten Räumen hielt. Die Futterdosen weisen darauf hin, dass sie bis vor kurzem noch hin und wieder gefüttert wurden. Allerdings bekamen die Tiere vermutlich kein Wasser. „Wir ermitteln gerade, wer dafür verantwortlich ist“, erklärt Pfeiffer. Sobald im Laufe des Verfahrens der Täter gefunden sei, müsse gegen ihn Anzeige erstattet werden. Dabei gehe es in erster Linie um den Tierschutz. Man habe auch noch keine Informationen darüber, wie lange die Zustände in dem Haus schon so katastrophal sind.

Die letzte Bewohnerin des Hauses soll nach Informationen aus der Nachbarschaft im Jahr 2009 ausgezogen sein. Sie sei jedoch bis vor kurzem noch abends vorbeigekommen und habe die Tiere versorgt. Am vorigen Sonnabend war sie wohl zum letzten Mal vor Ort. Dem Gesundheitszustand der Tiere zufolge könnten die Angaben passen, sagt die Vorsitzende des Uelzener Tierschutzvereins. Aber es hätte noch schlimmer kommen können: „Wären die Katzen nicht im Haus gewesen, hätten wir mit Sicherheit eine Riesen-Rattenplage.“

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