Uelzens Tierschützer stoßen wegen Großeinsatz an ihre Grenzen

45 Katzen aus Haus gerettet

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Glück im Unglück: Diese beiden Katzenbabys haben schwere Augenschäden, wurden aber von ihrer Mutter angenommen.

Uelzen. „Jeder Tag mit dieser Situation ist ein Tag zuviel. “ Das sagt Karin Rothe, und ihr stehen dabei die Tränen in den Augen.

Die Leiterin des Tierheims hat schon viel Elend gesehen, aber was sie und ihr Team derzeit zu bewältigen haben, lässt alle an ihre Grenzen stoßen: 45 völlig verwahrloste und kranke Katzen und Kater haben die Ehrenamtlichen kürzlich aus einem Haus im Uelzener Stadtgebiet gerettet. Der Besitzerin der Tiere war wegen einer psychischen Erkrankung die Situation völlig entglitten; sie selber und Angehörige hatten schließlich die Tierschützer um Rat und Hilfe gebeten.

Nach einigem Hin und Her, teils schwierigen Gesprächen – am Ende gar über Anwälte –, schildern Karin Rothe und ihre Kollegin Kristin Zangi, habe man die Stubentiger aus ihrem Martyrium befreien können. „Die Wohnräume sahen schlimm aus“, sagt Kristin Zangi, die Katzen aller Altersklassen – vom kleinen Welpen bis zum alten Kater – seien in Wohnzimmer, Küche, Bad und Schlafzimmer gehalten worden. „Die Muttertiere hatten keinen ruhigen Platz zum Säugen, manche haben deswegen ihre Kleinen gar nicht angenommen“, berichtet Zangi. Von Kot und Parasiten verklebte Kreaturen, die kaum noch etwas Katzenartiges an sich hatten, bevölkerten die Wohnung.

Gemeinsam mit dem Veterinäramt des Landkreises Uelzen schritten die Tierschützer schließlich zur Tat. „Wir sind dem Landkreis und den Veterinären so dankbar für die schnelle und unkomplizierte Zusammenarbeit“, betont Karin Rothe. Denn allein wären die Ehrenamtlichen der Situation wohl kaum Herr geworden.

Umso katastrophaler stellt sich im Moment die Lage im Tierheim dar: Die kleinen gläsernen Boxen sind übervölkert mit den geretteten Katzen. Einige sind in Außenpflegestellen untergebracht, wie der Tierpension Bollensen. „Insgesamt 78 Katzen haben wir zurzeit“, seufzt Karin Rothe, „und die Nerven liegen blank.“

Zwei der geretteten Katzen mussten bereits von ihren Qualen erlöst werden, andere werden medikamentös behandelt, um ihre Schmerzen zu lindern – denn bei den Katzen handelt es sich um Perser und Persermischlinge, die von Natur aus häufig Augenentzündungen haben. Einige der Katzen haben stark entzündete Augen, manche sind erblindet, andere haben Tumore. Viele der Tiere müssen noch operiert werden.

„Es tut einem selber richtig weh, wenn man bedenkt, dass manche von ihnen Jahre lang höllische Schmerzen gelitten haben“, sagt Karin Rothe, und ihr steigen wieder die Tränen in die Augen. Jetzt aber ist der Großteil der Katzen und Kater vermittelbar – und auch wenn viele von ihnen tierärztliche Nachbehandlungen benötigen, sind sie derzeit wohlauf, kastriert, quietschfidel, sie schnurren und sind – wegen ihres Perseranteils – wunderschön.

Wer einem oder mehreren der zutraulichen Schmuser ein Zuhause geben oder das Tierheim finanziell bei den Tierarztkosten unterstützen möchte, sollte Kontakt aufnehmen: Telefon (05 81) 1 51 70 (Öffnungszeiten mo-fr. 16.30-18 Uhr), www.tierheimuelzen.de.

Von Ines Bräutigam

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