Martin Köther, Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamts Uelzen, über Zukunftsplanungen und die Sicherheit der Dämme

40 Jahre Elbe-Seitenkanal: Die Katastrophe ist heute ausgeschlossen

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Die Katastrophe ereignet sich am 18. Juli 1976: Der gerade eingeweihte Kanal bricht bei Lüneburg. Die Wassermassen zerstören Bahndämme, Straßen und Häuser.

Uelzen. Noch nie fuhren so viele Schiffe auf dem Elbe-Seitenkanal. Wie die Wasserstraße für die Zukunft ertüchtigt werden soll und ob noch einmal, wie 1976, die Dämme brechen können, darüber sprach AZ-Redakteur Gerhard Sternitzke mit Martin Köther, Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamts Uelzen.

Herr Köther, der Elbe-Seitenkanal kommt in die Jahre. Würden Sie den Kanal heute noch auf derselben Strecke bauen?

Ja, das würde man wieder tun. Man hat sich damals für diese Strecke entschieden, weil man hier „nur“ 61 Höhenmeter überwinden muss.

Welche Bedeutung hat der Wassertransport in einer Zeit, in der „just in time“ geliefert wird?

In den vergangenen Jahren wurden auf dem Kanal jährlich über zehn Millionen Gütertonnen transportiert. Die Wasserstraße ist ideal, um große Gütermengen sehr kostengünstig, energiesparend und umweltfreundlich zu befördern. Ein Binnenschift ersetzt rund 70 bis 80 große Lkws.

Warum hat es so lange gedauert, bis die prognostizierten Schifffahrtszahlen erreicht wurden?

Das ist doch ein längerer Prozess gewesen, als man es sich damals in den Prognosen vorgestellt hat. Letztlich haben wir nach dem Jahr 2000 einen deutlichen Zuwachs verzeichnet, unter anderem auf 100 000 Containereinheiten pro Jahr. Und es zeichnet sich ab, dass dieses Wachstum weitergeht.

Warum ist der Ausbau des Schiffshebewerks Scharnebeck so wichtig?

Das Schiffshebewerk hat eine Troglänge von 100 Metern, sodass moderne Großmotorgüterschiffe, die 110 Meter bis 135 Meter lang sind, nicht fahren können. Für den Neubau einer Schleuse planen wir mit einer Länge der Kammer von 225 Metern. Man kann dann mit zwei Großmotorschiffen einfahren.

Wenn die neue Schleuse steht, sind dann unsere Brücken zu niedrig für immer größere Containerschiffe?

Nein. Man würde hier, wie jetzt schon, zweilagig fahren. Alles andere wäre unrealistisch.

Die alte Schleuse in Esterholz ist defekt. Wann wird sie saniert?

Zurzeit laufen Untersuchungen der Bundesanstalt für Wasserbau in Karlsruhe.

Es gibt Risse... 

Es gibt Risse, auch in der Bewehrung. Das stellt das Gesamtsystem der Schleuse in Frage. Jetzt wird untersucht, ob die Schleuse saniert werden kann und welche Restlebensdauer sie hat.

Kann die neue Schleuse den Verkehr allein abwickeln?

Ja, die Kapazitäten reichen aus, um auch die Steigerungen der nächsten Jahre gut aufzunehmen, aber man kommt um gewisse Wartezeiten nicht herum.

Kurz nach der Eröffnung brach der Kanal. Ist solch ein Unglück – auch angesichts des Alters der Anlagen – heute wieder möglich? 

Nein. Gleich im ersten Jahr nach dem Dammbruch wurden umfangreiche Sanierungsmaßnahmen durchgeführt. Wenn eine Leckage auftritt, dann muss der Damm standsicher sein. Das Wasser versickert im Graben. Und damit sowas nicht passiert, wird der gesamte Damm mindestens monatlich kontrolliert.

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