Für die Bauern steht noch nicht fest, dass es Absprachen gab / Beplate-Haarstrich: Handel setzt auch auf Ausland

Kartoffelkartell – keine gerade Furche

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Aus einer kritischen Perspektive: Für die Bauern steht noch nicht fest, dass es Absprachen gab.

Uelzen. Seitdem bekannt ist, dass das Bundeskartellamt gegen Vertriebsunternehmen für Speisekartoffeln ermittelt, die unerlaubte Preisabsprachen getroffen haben sollen, hat Thorsten Riggert mit einigen Landwirten in der Region gesprochen und weiß:

Die Einschätzungen gehen auseinander. Während die einen sich durchaus ein Kartoffelkartell vorstellen können und ein Eingreifen fordern, glauben andere nicht an Preisabsprachen. „Die eine Meinung gibt es hier nicht“, so der Kreislandwirt gegenüber der AZ.

Eher skeptisch, dass es eine Absprache gab, ist auch Dr. Lutz Beplate-Haarstrich aus Suderburg, wenngleich er sagt, dass es für ihn schwer einzuschätzen sei, wie die Vertriebsunternehmen agieren. Er gibt aber zu bedenken, dass der Handel von Kartoffeln nicht nur auf nationaler Ebe betrachtet werden dürfe. Heißt: „Der Kartoffelmarkt ist ja nicht auf Deutschland beschränkt. Wenn der Lebensmittelhandel – gesetzt den Fall, es hätte eine Absprache gegeben – nur einen Preis genannt bekommt, kann er sich auf Angebote aus dem Ausland zurückgreifen“, so Beplate-Haarstrich. Was nutzen da also Absprachen zwischen den Händlern in Deutschland?, fragt er. Bei der Diskussion müsse seiner Ansicht nach auch die Rolle der großen Lebensmitteldiscounter beleuchtet werden. Sie könnten ja ihrerseits auf den globalen Kartoffelmarkt zurückgreifen, damit möglicherweise den Vertriebsunternehmen in Deutschland Preise nennen, zu denen sie noch zu einer Abnahme bereit wären. „Eine komplexe Angelegenheit“, sagt der Landwirt.

Der Suderburger selbst baut auf rund 35 Hektar seiner landwirtschaftlichen Flächen Kartoffeln an. Seit vielen Jahren arbeitet er mit einem Vertriebsunternehmen zusammen und das „stets vertrauensvoll“, wie Belplate-Haarstrich betont. Wenn es um das Verhältnis zwischen den Vertriebsunternehmen und den Bauern gehe, spiele nicht nur der Abnahmepreis eine Rolle, sondern auch die räumliche Nähe. „Die Kartoffeln bis nach Bayern zu kutschieren macht keinen Sinn, die Transportkosten wären zu hoch“, gibt Beplate-Haarstrich zu bedenken.

Während die Landwirte über die Möglichkeit einer Absprache der Vertriebsunternehmen diskutieren, dauern die Ermittlungen des Bundeskartellamtes an. Neue Ergebnisse und Erkenntnisse, auch dazu, ob und wie die Heilmann AG, die auch in Uelzen eine Niederlassung hat, in das Kartell verstrickt sein könnte, wurden nicht bekannt gegeben. Die von der AZ an das Unternehmen gestellten Fragen wurden bislang nicht beantwortet.

Von Norman Reuter

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