Ertrag knapper Durchschnitt

Der Kartoffel ist es zu heiß: Landwirte ernten nur vormittags

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Landwirt Henning Steep aus Oetzendorf transportiert die frisch geernteten Kartoffeln in großen Kisten in sein Lager.

Oetzendorf/Landkreis. Das schöne, warme und trockene Spätsommerwetter mit Temperaturen von über 30 Grad ist nicht für jeden ein Grund zur Freude. Die Hitze macht den Landwirten im Landkreis Uelzen bei der gerade im vollem Gange stattfindenden Kartoffelernte zu schaffen.

„Die Landwirte können momentan nur bis 12 Uhr ernten“, berichtet Jürgen Pickny von der Bezirksstelle der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in Uelzen. Der Grund: Die Kartoffeln werden in der Mittagshitze zu warm, um sie roden und einlagern zu können. „Wenn die Kartoffeln im Inneren 25 Grad oder mehr erreichen, könnten sie beim Einlagern wegfaulen oder von innen schwarz werden“, erläutert Pickny.

„Momentan fangen wir morgens gegen 6 Uhr mit dem Ernten an, am frühen Nachmittag ist dann Schluss“, erklärt Henning Steep aus Oetzendorf den momentanen Tagesablauf auf dem Betrieb seines Vaters Hartwig. Dort werden auf rund 100 Hektar Kartoffeln angebaut. In normalen Jahren beginnt die Ernte erst um 7.30 Uhr. Das Problem ist die Lagerung der Kartoffeln. Da die Temperaturen draußen momentan höher als im Lager sind, kann in der Nacht nicht gelüftet werden. Die Folge: Die Kartoffeln werden feucht und beginnen zu faulen. Daher verladen die Steeps einen Teil der Ernte direkt auf den Lkw für den Verkauf.

Die momentane Trockenheit hat aber noch einen Nachteil. „Wenn es zu trocken ist, könnte die Schale bei der Ernte verletzt werden, weil zu wenig Erde die Knolle schützt“, weiß Pickny. Daher sei es wichtig, die Kartoffel so schonend wie möglich zu ernten. Auch die trockenen Erdbrocken bereiten Probleme: Sie brechen nicht auseinander und können somit vom Roder nicht ausgesiebt werden.

Die Beregnung sei hingegen „ein Standortvorteil für die Region“, so Pickny. „Ohne geht es heute im Speisekartoffelsektor eigentlich nicht mehr.“ Andere Anbaugebiete, etwa in Polen, hätten diese Möglichkeit nicht. Insgesamt rechnet Pickny genau wie die Steeps mit einer knapp durchschnittlichen Kartoffelernte. Momentan habe man auch viele grüne Kartoffeln, die nicht nachreifen könnten, sodass die Ernte etwa wie im vergangenen ausfallen werde, meint Landwirt Steep.

Wie sich die Preise bei Speisekartoffeln entwickeln werden, sei noch nicht abzusehen. „Das entscheidet nicht die Lüneburger Heide, sondern der ganze Breitengrad mit den Anbaugebieten in Polen, Holland und Belgien. Das ist ein freier Markt“, schildert Pickny. Beim Anbau von Stärkekartoffeln steht hingegen der Preis schon vor der Aussaat fest. Dort wissen die Landwirte genau, was sie für ihre Kartoffeln bekommen. „Dort hat man das Risiko des freien Marktes nicht, erhält aber auch geringere Preise“, sagt Pickny.

Von Lars Lohmann

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