Das Projekt „Stadt ohne Graffiti“ ist in Uelzen nach knapp drei Jahren endgültig gescheitert

Kapitulation vor dem Geschmiere

Vorbild: Lüchows Bürgermeister Karl-Heinz Schultz (l.) mit dem Reinigungsgerät, das der Verein zur Beseitigung von Graffiti einsetzt.

Uelzen. Es hörte sich vielversprechend an: Zunächst werden sämtliche Schmierereien an Hauswänden entfernt. Sobald neue auftreten, beseitigt ein Malertrupp sie umgehend – Sprayer sollten so lange zermürbt werden, bis sie schließlich aufgeben.

Doch was in der Theorie verheißungsvoll klang, funktionierte in der Praxis nicht: Das Projekt „Stadt ohne Graffiti“ ist in Uelzen nach knapp drei Jahren endgültig gescheitert.

2007 hatte die Polizei in einer Bestandsaufnahme in der Innenstadt 415 Tatorte mit Farbschmierereien registriert. Im Februar 2009 stellten dann Präventionsrat, Polizei und Verwaltung in einer Bürgerversammlung das Projekt „Anti Graffiti“ vor. Sprayern wurden Flächen für reguläre Aktionen angeboten, so entstanden etwa auf der Rückseite des Fünf-Propheten-Hauses oder am Albrecht-Thaer-Gelände attraktive „Gemälde“. Doch für neue Projekte findet man jetzt keine Sprayer mehr, „und die Zahl der Schmierereien dürfte inzwischen wieder so hoch sein wie 2007“, sagt Silke Munstermann, Präventionsbeauftragte der Polizei. Als Hauptproblem erwiesen sich die Kosten. Denn auf denen waren die Hauseigentümer sitzen geblieben, wenn sie Schriftzüge immer wieder beseitigen ließen. Die Initiatoren hatten da eigentlich auch die Maler-Innung gesetzt, doch die erhofften Vorzugsangebote blieben aus. „Wir haben unseren Aufwand und können nicht mit Dumpingpreisen arbeiten und unsere Arbeit gewissermaßen verschenken“, erläutet der stellvertretende Obermeister Markus Timm die Haltung der Maler.

Als Vorbild für das Projekt galt die Stadt Lüchow, deren Bürgermeister Karl-Heinz Schultz auf der Infoveranstaltung in Uelzen das eigene Modell vorgestellt hatte. Die Lüchower hatten einen Verein gegründet, sich mit entsprechendem Gerät ausgestattet und waren immer losgezogen, sobald über eine Hotline eine neue Schmiererei gemeldet wurde – das erforderte viel Zeiteinsatz und Mühe, doch es lohnte sich – Lüchow ist seitdem graffitifrei.

Von Thomas Mitzlaff

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