Kapital, Glück und viel Arbeit

Dieses Winterweizen-Feld nahe der ukrainischen Ortschaft Bokijma hat sich Stadtwerke-Aufsichtsratsmitglied Dieter Schwutke jetzt gemeinsam mit Unternehmenssprecher Mirco Pinske und Uelzens Erstem Stadtrat Jürgen Markwardt angesehen.

Uelzen - Von Marc Rath. „Ich habe jetzt Diskussionsbedarf für mehrere Stunden“, kündigt CDU-Ratsherr Dieter Schwutke nach seinem Ukraine-Besuch für die nächste Aufsichtsratssitzung der Stadtwerke an. In Einzelheiten will der Holdenstedter Landwirt vorab nicht gehen. Nur soviel: „Viele Dinge sind eingetreten, die ich vorher angeprangert habe.“ Stadtwerke-Aufsichtsratsmitglied Schwutke war vorigen Donnerstag gemeinsam mit dem Ersten Stadtrat Jürgen Markwardt und Stadtwerke-Sprecher Mirco Pinske in die Ukraine aufgebrochen.

Den knapp dreitägigen Mammut-Trip zu den Flächen bei Rive der SBE-Holding, deren Mitgesellschafter die Uelzener Stadtwerke sind, habe sich in jedem Fall gelohnt, bekräftigt Schwutke. „Man hat jetzt ein Bild dazu.“ Mehr noch: „Wir hätten dort viel früher hinfahren müssen. Wenn da so viel Geld hinfließt, muss man auch schauen, was sich dort tut“, ärgert ihn die Kritik der grünen Fraktionsvorsitzenden Ariane Schmäschke, die „erhebliche Zweifel am Nutzen“ der Reise geäußert hatte (AZ berichtete).

Von der Situation vor Ort zeigt sich das Aufsichtsratsmitglied positiv überrascht: „Ich habe mit vielen Mitarbeitern gesprochen. Da steckt Motivation hinter.“ Die neue Betriebsleitung habe den Betrieb „zur Zeit im Griff“, attestiert der Berufskollege. „Das ist kein Trommler, sondern jemand, der Landwirtschaft versteht.“

Mehrere hundert Kilometer ist die Uelzener Delegation abgefahren, entlang von mehreren hundert der rund 7000 Hektar, die von der SBE bewirtschaftet werden – oft auf Kopfsteinpflaster. „Natürlich haben wir nicht alles gesehen“, räumt Schwutke ein. Aber die Böden, die er in Augenschein nehmen konnte, seien in einem guten Zustand. Die angestrebte Ertragssteigerung von 30 Prozent in diesem Jahr hält Schwutke „mit etwas Hoffnung“ für „denkbar“. Es werde aber „schwer, denn die Ausstattung ist nicht allzu reichlich“.

Das Projekt, in das die Stadtwerke bis zu 5,5 Millionen Euro investieren wollen, sei „eine Vision für Landwirte, die eine Herausforderung suchen“, skizziert der Christdemokrat nach der Reise. Zum Erfolg gehöre dabei „Kapital im Rücken, Glück und 365 Tage Arbeit im Jahr“. Ob man damit „wirklich Geld verdienen kann, ist eine andere Sache“, will der Landwirt „darüber jetzt noch kein Urteil abgeben“. Er plädiert dafür „in dieser und der nächsten Ernte zu gucken, was passiert“.

Zuletzt betrug der jährliche Verlust nach Angaben der SBE-Geschäftsführung rund 900 000 Euro. Ende nächstes Jahres will das Unternehmen „eine schwarze Null schreiben“, hatte SBE-Geschäftsführer und Stadtwerke-Prokurist Falk-Wilhelm Schulz auf der Sondersitzung des Stadtrates im April angekündigt. Die millionenschweren Investitionen sollen bis Ende 2018 an die Gesellschafter zurückgeflossen sein. Das Gebaren der Stadtwerke ist umstritten: Der niedersächsische Steuerzahlerbund fordert einen vollständigen Rückzug aus dem Projekt.

Erster Stadtrat Markwardtberichtet ebenfalls von „sehr, sehr intensiven und hart an der Sache orientier-ten Gesprächen“ – auch mit Verantwortlichen in der Region. Das Engagement werden dort sehr positiv aufgenommen. „Wir haben sehr viel gesehen“, spricht Markwardt von einer „sinnvollen Fahrt“. Zu Einzelheiten will er sich im Aufsichtsrat äußern. Ob er sich danach öffentlich zu den Erkenntnissen der Reise positionieren werde, ließ er gestern offen. Das hänge nicht zuletzt von der Beschlusslage in dem Gremium ab, das nach der Sommerpause wieder tagen soll.

Schwutke hat jetzt im Aufsichtsrat viel Gesprächsbedarf. Dass dort gleich alle drei SPD-Vertreter ausgeschieden sind, ärgert ihn: „Die haben alles befürwortet. Und jetzt sind sie weg.“

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