Archäologen finden Kugeln und Ringe

Hinweise auf das Leben im Jahr 1647 am Uelzener Hof

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Eine kleine Kanonenkugel wurde unter dem Uelzener Hof gefunden. Fred Mahler vermutet, dass sie bei der Explosion des Turms am Lüneburger Tor auf das Grundstück geschleudert wurde. Foto: Baatani

UELZEN -  Eine Gürtelschnalle aus der Renaissance, eine Lüneburger Münze aus dem 17. Jahrhundert, ein silberner Fingerring, eine hölzerne Wäscheklammer: Unter dem Uelzener Hof haben Stadtarchäologe Fred Mahler und das Team vom Grabungsunternehmen Archaeofirm viele historische Funde entdeckt.

Eine knappe Woche, sogar am 1. Mai und am Sonnabend, wurde das Grundstück an der Lüneburger Straße untersucht, immer mit einem Sicherheitsabstand zur gestützten Fachwerk-Fassade. Nun kann Bauherr Horst Saevecke die Fundamente herausnehmen und mit dem Neubau von Eigentumswohnungen beginnen.

Über die Fundstücke erhofft sich Fred Mahler Auskunft über das Leben in Uelzen vor 400 Jahren. In einem ausgehobenen Quadrat sind die Umrisse eines verbrannten Kellers zu erkennen. Nebenan legen die Archäologen einen Fußboden frei, auf dem 1647 – ein Jahr nach dem Stadtbrand – ein Haus gebaut wurde. Verglühte Ziegel deuten an, dass es sich schon damals um Backsteinbauten handelte, und eine Ofenkachel bezeugt, dass nicht nur eine offene Feuerstelle genutzt wurde, sondern ein Kachelofen. „Eckgrundstücke waren meistens Grundstücke der sozial höher gestellten Leute“, weiß Mahler. Für ihn ist diese Grabung am ehemaligen Uelzener Hof besonders spannend, denn bei der Gründung der Stadt seien als erstes die lange Achse, Veerßer und Lüneburger Straße, entstanden, der Bereich an der Stadtmauer erst später. „Wir versuchen, die Dinge einzufügen in das Stadtbild“, macht er den Wert der Grabung deutlich.

Ein Fund hat Fred Mahler neugierig gemacht: eine Kanonenkugel. Nach einigen Recherchen hat er einen Bezug hergestellt. Beim Stadtbrand ist der nahegelegene Turm am Lüneburger Tor explodiert, in dem Kanonen und Gewehre der Stadt Uelzen untergebracht waren. Die Kanonenkugel muss dabei auf das Grundstück vom Uelzener Hof geschleudert worden sein. „Ich denke, wir haben hier einen kleinen Zeitzeugen.“ Und eine weitere Pistolenkugel, die ausgegraben wurde, verrate, wie die Stadt damals bewaffnet war – „ein sehr kleinkalibriges Geschütz“, weiß Mahler.

Für ihn steht nun die Dokumentation der Funde an, die voraussichtlich ins Heimatmuseum gebracht werden.

Von Diane Baatani

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