Schadinsekten im Stadtwald / Kälte dezimiert Population nicht

Kahlfraß an vielen Eichen

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Kahlgefressene Blätter an Eichentrieben gibt es auch im Uelzener Stadtwald. Dafür sind Schadinsekten verantwortlich.

Uelzen. An Weihnachten herrschten noch zweistellige Plusgrade, doch inzwischen hat der Winter den Landkreis Uelzen fest im Griff – mit Tiefstwerten von unter zehn Grad minus.

Eigentlich müsste die anhaltende Kälte dazu führen, dass es im kommenden Frühjahr weniger Schadinsekten wie zum Beispiel Eichenprozessionsspinner gibt, möchte man vermuten. Doch genau das Gegenteil sei zu erwarten, erläutert Uelzens Stadtförster Thomas Göllner.

„Entgegen der landläufigen Meinung, dass ein milder Winter die Ausbreitung von Schadinsekten begünstigt, ein kalter Winter aber zu deren Absterben führt, ist das nicht zwingend so“, sagt Göllner im AZ-Gespräch. Denn besagte Insekten könnten kalte Winter recht gut überstehen, weil sie in Winterstarre verfielen und dank körpereigener Stoffe gegen tiefe Temperaturen immun seien. Dagegen komme es in milden Wintern zur vermehrten Aktivitäten von Pilzen. Diese befallen die überwinternden Insekten als Parasiten und töten sie ab.

Thomas Göllner

Wie sich die Population der Eichenwickler, Frostspanner oder der für Allergiker gefährlichen Eichenprozessionsspinner im Uelzener Stadtwald in diesem Jahr entwickelt, bleibe abzuwarten, sagt Göllner. Fest stehe aber, dass diese Insekten große Schäden an Eichen verursachen. „Sie fressen ganz massiv an den Blättern. Das führt dazu, dass die Bäume im Mai ganz kahl sind, obwohl sie zu dieser Zeit eigentlich üppiges Laub tragen müssten“, schildert der Stadtförster. Besonders deutlich sei das im vergangenen Frühjahr am Kuhteichweg zu beobachten gewesen. „Dort waren die Eichenkronen nahezu durchsichtig.“

Fraßschäden durch Insekten gibt es laut Göllner an fast allen Eichen im Stadtwald. Jedoch seien nur etwa fünf Prozent der Bäume so stark betroffen, dass ihre Vitalität abnehme. Weitere 90 Prozent könnten durch einen zweiten Blattaustrieb im Frühling die Einbußen durch Insektenfraß kompensieren. Das bedeute aber nicht, dass diese Bäume gesund seien, so Göllner. „Sie stagnieren in Wachstum und Entwicklung und erleben keinen Zuwachs.“ Trotzdem gehe es den Eichen im Stadtwald noch besser als im bundesweiten Vergleich. Den Einsatz chemischer Spritzmittel gegen Insekten, etwa aus der Luft, lehnt Göllner übrigens strikt ab: „Das machen wir grundsätzlich nicht, weil es sich negativ aufs Ökosystem auswirkt.“

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