Hintereingang am Bahnhof bleibt Treffpunkt

Juwel mit schwarzen Schafen

Sie würden nur in Maßen trinken, sagen die Männer, die sich am Hintereingang des Hundertwasser-Bahnhofs treffen. Andere dagegen „hauen sich die Binse dicht“. Foto: Hasse

Uelzen. Der Hundertwasserbahnhof ist das Juwel Uelzens. Das sagt einer, der vor dem Hintereingang des Bahnhofes beim ZOB steht und ein Bierchen trinkt. Ausgerechnet Leute wie er sorgen regelmäßig für Unmut oder Unverständnis bei Bahnreisenden.

Es ist öfter laut, es gibt Bierlachen, und manchmal soll es auch Prügeleien geben. „Dann sind die von der Polizei aber schnell da“, sagt der junge Mann.

Das mit der schnellen Polizei ist ein Kompliment für Holger Jureczko, Sprecher der Bundespolizei, die für die Sicherheit auf dem Bahnhofsgelände zuständig ist. Die Mitarbeiter der Bundespolizei würden schon oft im Vorfeld sogenannte „Gefährdeansprachen“ an diejenigen richten, die sich mit einem Bier hinterm Bahnhof treffen. Das wirke. „Die Menschen dort wollen sich ja auch gern weiter dort aufhalten“, meint er. Übliche Verstöße, mit denen die Bundespolizisten zu tun hätten, seien Verunreinigungen, das Pinkeln an die Bahnanlage oder das generelle Vermüllen. Selten gebe es Pöbeleien, aber es gebe sie. Generell gelte in Uelzen: „Alkohol ja, Gewalt nein“.

Die Biertrinker am Bahnhof erzählen allerdings schon von Prügeleien. Ein älterer Mann hat schon mal welche beobachtet, sagt er. Er kennt den Bahnhof, hat früher dort gearbeitet, bis er schwer krank wurde, er hat einen Tumor, kann nicht mehr arbeiten.

Und Alkohol? „Ich trinke immer nur ein, zwei Bier, mehr nicht“, sagt der Mann. Auf Nachfrage geben die Männer aber zu, dass manche schon mal tief ins Glas schauen und dann laut werden und pöbeln. „Es gibt welche, die hauen sich hier die Binse dicht, das stimmt“, sagt einer der Männer. Er selbst aber trinke auch nur in Maßen, sagt er. Schwarze Schafe gebe es unter denjenigen, die am Hinterausgang stehen.

Einer der Männer trägt Armeehosen und eine mit spitzen Nieten versehene Lederjacke. Dass sein martialischer Auftritt vielleicht junge Frauen ängstige, sieht er schon ein. „Aber das Schlimme ist, die nehmen ja auch nichts an: Ich habe mal einer älteren Frau das Gepäck die Treppe heruntergetragen. Die wollte mir hinterher Geld geben. Ich habe nein gesagt. Ich mache das, weil ich nett bin. Gerade ältere Damen sind aufgeschlossener. Jüngere, so um 30 bis 40, haben da eher Bedenken.“ Beim Fototermin fällt auf, dass er saubere Schuhe hat. Er war gerade bei einem Vorstellungsgespräch. Beschwerden, sagt Egbert Meyer-Lovis, der Pressesprecher der Bahn, habe es in letzter Zeit keine gegeben. „Bei Pöbeleien schreitet dann auch sofort die Bundespolizei ein“, sagt er. Den Männern und Frauen werde deutlich gesagt, was geht und was nicht. Maßnahme, um den „Treffpunkt“ zum Biertrinken möglichst einzudämmen, war unter anderem, die Sitzgruppe am Bahnhof näher zum ZOB zu versetzen. Das habe geholfen, hebt Jureczko hervor, wie auch Ariane Schmäschke, Geschäftsführerin des Bahnhof-2000-Vereins. Der „gewisse Personenkreis“ störe Schmäschke nicht weiter, und anders als in vergangenen Jahren, in denen es oft zu handfesten Problemen gekommen sei, habe es in diesem Jahr keine Beschwerden gegeben. Sie findet es „okay, dass die da sitzen. Die wollen halt sehen und gesehen werden. Ich persönlich gehe da ein und aus. Manche grüßen.“

Der junge Mann, der den Hundertwasserbahnhof schon als „Juwel Uelzens“ bezeichnete, zeigt auf ein Schild im Bahnhofsgelände, für die „Berber-Fraktion“, wie er sagt, also die Obdachlosen. Darauf wird angeboten, zum Übernachten in die Unterkunft für Obdachlose am Bohldamm zu gehen, die Januar 2011 eröffnet wurde. Dort werden sie von der IDA betreut. Für die wenigsten derjenigen, die am Bahnhof stehen, gilt das. Fast alle haben einen Wohnsitz in Uelzen.

Von Kai Hasse

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