Justizvollzugsanstalt Uelzen feiert die Leistung der Mitarbeiter und gedenkt des Traumas von 1999

Jubiläum mit Licht und Schatten

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Dem Improvisationstheater Spekspek gelang mit vollem Körpereinsatz und Witz die Erheiterung der Festgesellschaft.

Uelzen. „Das hat vorher niemand für möglich gehalten. “ Beim gestrigen Festakt zum 25-jährigen Geburtstag der Justizvollzugsanstalt Uelzen hat der niedersächsische Justizminister Bernd Busemann an den schwärzesten Tag der niedersächsischen Justizgeschichte erinnert: Am 13.

August 1999 hatte ein Gefangener in der JVA Uelzen zwei Bedienstete getötet, zwei weitere Mitarbeiter schwer verletzt und anschließend Selbstmord begangen. Für die verletzten Mitarbeiter der Anstalt sei es ein Schock mit schweren psychischen Folgen gewesen, so dass sie in ihrem Beruf nicht mehr tätig sein konnten. Aber auch die anderen Kollegen habe der Vorfall innerlich verletzt, verunsichert und seelisch belastet. „Das hat auch 13 Jahre später noch etwas Schockierendes“, so der Minister. „Ich bin der Meinung, dass man diese 25 Jahre auch den verstorbenen Kollegen widmen darf. “.

Das Jubiläum in der JVA war deshalb gestern zum einen von Erinnerungen geprägt, die für die damaligen Mitarbeiter traumatisch waren, aber auch von Freude über das große Engagement der JVA: „Ich denke, man kann stolz sein auf erfolgreiche 25 Jahre der JVA Uelzen“, sagte Busemann. Die Aufgaben hätten sich innerhalb dieser Zeit verändert. Somit sei das Ziel jeder Inhaftierung die Vorbereitung auf die Zeit nach dem Gefängnis. „Es ist uns, denke ich mal, gelungen, die Entlassungsvorbereitungen zu verbessern“, erklärte er.

So hielt es auch die Anstalt selbst: Zur Musik „Don’t worry, be happy“ von Bobby McFerrin wurde eine Präsentation gezeigt, die die Anfänge der JVA reflektierte, bevor passend zu der Zeit um 1999 die Musik und die Stimmung wechselte. „Erfahrung ist nicht das, was einem zustößt. Erfahrung ist das, was man aus dem macht, was einem zustößt“, zitierte vor diesem Hintergrund die Anstaltsleiterin Sabine Hamann den englischen Schriftsteller Aldous Huxley. „Das Leben mutet uns manchmal ganz schlimme Erfahrungen zu.“ Und die Kollegen hätten „etwas aus den Erfahrungen gemacht.“ Wer erst nach dem Vorfall dort zu arbeiten begann, sei in diese Erfahrungen hineingewachsen. Hamann betonte: „Unser Blick geht heute mit Stolz zurück und mit Freude nach vorn.“

Dass allerdings das Jubiläumsjahr auch eine Verkleinerung der gesamten JVA mit sich bringt, betonte Busemann in seiner Festrede ebenfalls. Zum Ende dieses Jahres wird die Abteilung Stade mit 26 Haftplätzen, die an den Uelzener Standort angegliedert ist, komplett in die neue und von Uelzen unabhängige Justizvollzugsanstalt in Bremervörde wechseln. Deren Größe wird dann vergleichbar sein mit der Anstalt in Uelzen, aber zu 75 Prozent werden die Leistungen durch private Partner erbracht, erklärte der CDU-Politiker. „Kein Landesbediensteter wird durch Mitarbeiter der privaten Unternehmen ersetzt“, stellte er klar. „Es wird keine rein privatisierte Anstalt.“ Somit liege die Gesamtverantwortung auch in Bremervörde allein bei der dortigen Anstaltungsleitung. „Neu ist lediglich der Umfang der Einbindung des privaten Partners.“ In einem über 25 Jahre abgeschlossenen Vertrag sei festgelegt, dass die Instandhaltung des Gebäudes, die Verpflegung und Versorgung sowie die Beschäftigung der Gefangenen übernommen werden. Nach den 25 Jahren übernimmt das Land die Liegenschaft, das bis dahin „erhebliche Sanierungskosten“ spart, so Busemann. „Wir konzentrieren uns auf unsere größeren Anstalten“, sagte er. Eine Kooperation mit dem Privatsektor komme in Frage, wenn sie für die Staatskasse günstiger sei. Zugleich kündigte Busemann für die Bediensteten der JVA Uelzen eine Anhebung der Tarife um jeweils eine Stufe an.

Diese Gehaltserhöhungen werden von der Belegschaft durchaus gefordert – das wurde auch nach dem offiziellen Teil des Festaktes deutlich. Das Improvisationstheater SpekSpek aus Nordrhein-Westfalen griff bei seiner Einlage alltägliche Themen der JVA auf. Auf Wunsch des Publikums wurde auch zur allgemeinen Erheiterung die Forderung nach einer Gehaltshebung eingeflochten.

Von Diane Baatani

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