Mensch 2011: Wilhelm Johannes gründete den Dreilinger Sportverein

Jonglage fürs Lebensgefühl

Wilhelm Johannes hat während seiner Zeit als Schulleiter mit der Jonglage angefangen. Seit 18 Jahren widmet er sich ehrenamtlich dem Verein Sportjongleure Dreilingen. Foto: Jansen

Uelzen. Vielen Menschen ist Wilhelm Johannes, ehemaliger Leiter der Pestalozzi-Schule, als Chef der „Dreilinger Sportjongleure“ bekannt. Bedeutend weniger Personen in Uelzen ist bewusst, dass mit seinem Engagement im Landkreis ein neuer Sportbegriff den Sport eroberte.

„Das ursprüngliche Verständnis von Sport – getragen vom Motiv, ich besiege jemanden und stehe dann oben auf der Liste – musste weichen“, erzählt der pensionierte Pädagoge. Wegen seines freiwilligen Tätigkeit für die Sportjongleure Dreilingen ist er einer von zehn Nominierten für den Wettbewerb „Mensch 2011“ der Allgemeinen Zeitung und der Sparkasse Uelzen Lüchow-Dannenberg in der Kategorie Ehrenamt.

„Schicksalhaft“, bezeichnet Wilhelm Johannes seinen Weg zur Sonderschule, der den Einstieg in sein Engagement für die „Dreilinger Sportjongleure“ bedeutete. Sein Herz schlug immer schon für den Sport, erinnert er sich. Als junger Lehrer quittierte er seinen Dienst, um ein leistungsorientiertes Sportstudium zu absolvieren.

„Nicht jeder ist in der Lage, mit einem Handball für seine Mannschaft Tore zu erringen“, stellte er schon nach seinen ersten Unterrichtstunden im Fach Sport fest. Getrieben von dem Gedanken, dass jeder Mensch Erfolgserlebnisse haben sollte, kam er von einer Fortbildung für Sportlehrer mit einer neuen Idee wieder: „Da war ein Kollege, der drei Schlag-Wurfbälle in seiner Hand jonglierte“, erinnert er sich, „das wollte ich gleich im Unterricht ausprobieren.“

Wilhelm Johannes gründete eine Arbeitsgemeinschaft an der Schule mit Jungen und Mädchen, die alle nicht jonglieren konnten, aber Wilhelm Johannes auch nicht. „Wir lernten gemeinsam autodidaktisch“ – bis dann eines der eher unsportlichen Mädchen morgens zu ihm rannte und rief: „Ich habe die vier geschafft.“ „Der vierte Wurf gelingt nicht gut“, führt Johannes gerne in die hohe Kunst des Jonglierens ein.

Viel Überzeugungsarbeit begleitete sein Engagement. Was soll das Jonglieren an der Schule? Die Kinder sollen Lesen, Schreiben, Rechnen erlernen, hieß es anfangs. Der Lehrer gründete den Jonglier-Verein. „Die teuren Jonglierbälle konnten sich nicht alle Kinder leisten.“ Also erbettelte er ausgediente Tennisbälle, gefüllt mit Wasser – „das Gewicht steigert den Greifreflex“ –, sie eigneten sich bestens, den Kindern in kürzester Zeit zu Erfolgserlebnissen und Selbstvertrauen zu verhelfen. Was Wilhelm Johannes schon vor zwanzig Jahren antrieb, ist heute gesicherte Wissenschaft. Sportarten, die alle Extremitäten einbeziehen, unterstützen den Kopf bei seiner Arbeit. Unermüdlich setzte er sich ein, das Jonglieren zu einem Breitensport zu entwickeln.

„Was meinen Schülern gut tut, tut jedem Menschen gut“ – auch Menschen, die aufgrund bestimmter Einschränkungen von Leistungssportarten ausgeschlossen sind, erläutert er. Mit seinem Ehrenamt möchte er erreichen, dass viele Kinder und seit einiger Zeit auch Senioren ein neues Lebensgefühl für sich entdecken nach dem Motto „ich kann etwas, ich bin wertvoll“.

Von Angelika Jansen

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