Gesetzentwurf zur Cannabis-Legalisierung wird in Uelzen kritisch betrachtet

Joints – ganz legal?

Uelzen. Ein Joint nach Feierabend – und das ganz legal. Geht es nach der grünen Bundestagsfraktion, soll das bald möglich sein. Ihr Entwurf für ein „Cannabiskontrollgesetz“ hat eine Diskussion um den künftigen Umgang mit der Droge entfacht – auch in Uelzen.

Erwachsene sollen demnach künftig 30 Gramm Cannabis zum Eigenbedarf kaufen oder drei Cannabispflanzen anbauen und abernten können. Doch Folke Sumfleth, Leiter des Sozialpsychiatrischen Dienstes Uelzen, warnt: „Das birgt auch Gefahren.“ Manche Menschen reagierten empfindlicher auf Cannabis als andere, gibt er zu bedenken. So könne die Droge schwere Psychosen hervorrufen, die selbst dann noch aufträten, wenn nicht mehr konsumiert werde. „Es ist ein kleiner Teil der Bevölkerung, den das betrifft, aber den trifft es hart.“

Und noch etwas treibt den Experten um: Die vorgeschlagene Altersgrenze von 18 Jahren liege zu niedrig. Denn: „Ab dem Zeitpunkt, ab dem ich die Droge nehme, stagniert die Persönlichkeitsentwicklung.“

Grünen-Landtagsabgeordneter Heiner Scholing steht hinter dem Vorstoß seiner Parteikollegen zur Legalisierung – allerdings mit Abstrichen: „Über die Menge habe ich einen Diskussionsbedarf“, sagt er, sieht gleichzeitig aber das jetzige Verbot als gescheitert an. „Offensichtlich genügt diese Strategie nicht, die Jugendlichen davon abzuhalten.“

Sumfleth kann das bestätigen. Rund 70 Patienten würden beim Sozialpsychiatrischen Dienst aufgrund einer Opiat-Abhängigkeit behandelt, etwa ein Drittel konsumiere regelmäßig auch Cannabis – und das betreffe alle Altersgruppen. „Ältere nutzen es eher als Genussmittel, während die Jüngeren eher die Tendenz haben, sich völlig taub zu machen, also so zu konsumieren, dass man nichts mehr spürt.“ Sumfleth: „Es könnte der Eindruck entstehen: ,Ach, es ist ja nicht so schlimm.’“

Der Experte spricht sich jedoch nicht grundsätzlich gegen eine Lockerung der aktuellen Gesetzeslage aus – und stützt sich auf dasselbe Argument wie Scholing: Wer mit der Beschaffung von Cannabis bereits einen Fuß in das illegale Milieu gesetzt habe, für den sei auch der Schritt zu härteren Drogen nicht mehr weit. Aus der „dunklen Ecke“ holen, so Scholing, müsse man darum die Droge, das mindere auch den Reiz zum Konsum. „Das ganze Thema Marihuana, Haschisch verschwindet in der Subkultur, und darum ist es schwer, darüber zu reden.“ Inzwischen hat sich, wie berichtet, auch die FDP in Niedersachsen für eine Legalisierung ausgesprochen – auf Forderung ihrer Nachwuchsorganisation, der Jungen Liberalen.

Von Anna Petersen

Rubriklistenbild: © dpa

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