Eichenprozessionsspinner breiten sich im Landkreis Uelzen immer mehr aus / Warnung vor Kontakt

Jetzt wird’s haarig...

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Uelzen/Landkreis. Sie sind klein, schlank und haarig und machen sich derzeit in den Wäldern des Landkreises Uelzen breit: Eichenprozessionsspinner.

Die pelzigen Raupen sind aber alles andere als possierlich, denn die feinen Haare, die ihren Körper bedecken, können bei Menschen starken Hautausschlag und akute Atemnot verursachen. Hinweise auf diese allergischen Reaktionen und die Existenz der Eichenprozessionsspinner haben sich in den vergangenen Wochen beim Landkreis Uelzen gehäuft.

Erst vor wenigen Tagen hatte die Stadt Uelzen davor gewarnt, Waldgebiete zu betreten, in denen die Raupen zuhauf auftauchen – vor allem in Oldenstadt wurden die Tierchen vermehrt gesichtet (AZ berichtete). Doch nach und nach kamen auch aus anderen Stadtteilen Meldungen. So war beispielsweise ein Baum auf dem Gelände der Grundschule in Westerweyhe von den Eichenprozessionsspinnern befallen und ein Teil des Schulhofes musste vorübergehend abgesperrt werden. „Der Baum ist aber inzwischen behandelt worden, die Stadt hat da sehr schnell reagiert“, ist Schulleiterin Maria Lembeck froh. Die Schüler seien alle darüber informiert worden, der Hausmeister kontrolliere nun täglich den Baum – alles bestens, versichert die Rektorin.

Weniger glücklich derweil ist eine Pferdebesitzerin aus Varbitz. Ihr Zuhause liegt etwa 80 Meter entfernt von einem Waldstück, in dem die Eichenprozessionsspinner sich ausgebreitet haben. Erst litt ihr Mann unter Hautausschlag – vor allem im Nackenbereich und am Hals –, ein paar Tage später dann ging es bei ihr selber los. „Es fühlt sich an wie tausend Ameisen auf der Haut“, berichtet die Varbitzerin.

Auch beim Arzt ist das Ehepaar inzwischen gewesen, weil zu den allergischen Hautreaktionen auch noch Atemnot gekommen war. Mit Cortison konnte den beiden dann geholfen werden. „Das ist ganz, ganz böse“, sagt die Frau, deren Hund und Pferde mittlerweile ebenfalls Husten hätten. Zum Misthaufen jedenfalls könne sie dieser Tage nur noch mit Mundschutz gehen.

So richtig ernst genommen fühlt sich die Varbitzerin aber von Nachbarn und Behörden nicht. Denn bei dem benachbarten Wald handelt es sich um Privatgrund; der Eigentümer muss sich deshalb um eine Bekämpfung der Raupen kümmern. Allerdings empfiehlt wiederum der Landkreis Uelzen, sich an die Ordnungsämter der Kommunen zu wenden, sollte man Probleme mit dem Eichenprozessionsspinner bekommen. Doch weder Waldbesitzer noch Ordnungsamt sehen derzeit Handlungsbedarf im Varbitzer Fall.

„Der Wald ist 80 Meter von dem Haus der Frau entfernt, die Entfernung ist nach unserer Auffassung groß genug und lässt sich nicht wegdiskutieren“, argumentiert man im Ordnungsamt der Samtgemeinde Aue. Zwar wisse man, dass Grundstückseigentümer behördlich verpflichtet werden können, den Raupenbefall eliminieren zu lassen, wenn die Nachbarschaft unter gesundheitlichen Störungen leide. Im besagten Fall sehe man dazu aber im Moment keinen Anlass, heißt es. So ganz sicher sei man sich aber auch nicht, wie man sich bei diesem neuartigen Naturphänomen verhalten solle, meint der Ordnungsamtsmitarbeiter.

Die aktuelle Massenvermehrung der Tiere sei bislang nur aus Ost- und Süddeutschland bekannt, weiß Martin Theine, Sprecher des Landkreises Uelzen. Es handele sich um ein natürliches Phänomen, dem man „mit Augenmaß“ begegnen solle. „Im Wald müssen nur bei stärkerem Befall oder im Rahmen von Sonderprogrammen zwingend Bekämpfungsmaßnahmen erfolgen“, so Theine. An Schulen, Kindergärten, Freizeitanlagen und ähnlichen Einrichtungen sollte ein Befall „sachgerecht bekämpft“ werden, verantwortlich auf öffentlichen Flächen sind die Städte und Gemeinden. Auf privaten Waldgrundstücken seien die jeweiligen Besitzer zuständig.

Im Landkreis Uelzen weisen derzeit an verschiedenen Stellen Warnschilder auf die Eichenprozessionsspinner hin. Die Bekämpfung und Entfernung ist eine Sache für Fachleute, betont der Kreis-Sprecher. Und noch ist die Saison der heimtückischen Tierchen nicht beendet: Die Vermehrung der Raupen findet insbesondere von Ende Mai bis Ende August statt.

Von Ines Bräutigam

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