Bizarrer Streit: Jetzt geht es um die Wurst

Auf dem Weihnachtszauber 2009 war Arthur Bohnstedt (rechts), hier mit zwei Mitarbeitern, noch bester Laune – jetzt verpasste ihm die Stadt kurzfristig einen Korb. Ph. Schulze

Uelzen - Von Thomas Mitzlaff. 2000 Würstchen für die ersten Tage sind in Thüringen bestellt, das Personal ist geordert, die Spedition steht zur Anlieferung der Bude in den Startlöchern und die 5800 Euro Standgebühr hat Arthur Bohnstedt wie gewünscht bar dabei.

Doch drei Stunden, bevor er vergangenen Donnerstag seinen Original-Thüringer-Bratwurststand an der Lüneburger Straße aufbauen kann, erreicht ihn ein Anruf aus dem Rathaus: Ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes teilt Bohnstedt mit, dass seine Würste auf dem Uelzener Weihnachtszauber 2010 nun doch nicht erwünscht seien. Bohnstedt ist fassungslos. Jetzt will er die Stadt auf Schadensersatz in fünfstelliger Höhe verklagen – vorläufiger Höhepunkt eines bizarren Streits, der jetzt das Verwaltungsgericht beschäftigt.

Sechs Jahre lang hatte Arthur Bohnstedt zuvor den Uelzener Weihnachtsmarkt mit seinen Original Thüringer Bratwürsten bereichert und sich eine große Stammkundschaft erarbeitet. „Meine Würste sind zwar etwas teurer, aber die Leute setzen auf Qualität“, sagt er nicht ohne Stolz. In den ersten Jahren habe er noch draufgezahlt, „aber die letzten Jahre liefen prima.“ Ganz schlecht lief dagegen die Zusammenarbeit mit Markt-Chef Andreas Matuschak, den die Stadt mit der Organisation beauftragt hat.

Bohnstedt und Matuschak liefern sich seit langem eine Dauerfehde. Der Wurstverkäufer halte sich nicht an Absprachen und Termine, sagt der Markt-Organisator. Er werde schikaniert, kontert Bohnstedt.

Nach dem Weihnachtszauber 2009 hatte Matuschak dem ungeliebten Thüringer-Mann schon mal mitgeteilt, dass er sich keine Hoffnung auf eine Teilnahme an dem nächsten Markt machen müsse. Umso überraschter ist Bohnstedt, dass ihm Anfang November doch noch ein neuer Vertrag ins Haus flattert. Allerdings bleibt ihm die Wurst im Hals stecken, als er die Bedingungen liest: Statt in der 1a-Lage direkt neben dem alten Rathaus soll Bohnstedt seine Bude diesmal vor der alten Kaufhalle aufstellen. „Das ist 100 Meter von der nächsten Bude entfernt“, empört er sich. Auch der Hinweis Matuschaks, dass in der Nähe doch eine Märchenbude stehe, macht ihm die Angelegenheit nicht so richtig schmackhaft.

Doch Bohnstedt hofft auf seine Stammkundschaft, unterzeichnet den Vertrag und verkündet in einer Anzeige „Kaum zu glauben aber wahr, Arthurs Bratwurst ist wieder da“. Das soll sich als Irrtum erweisen. Einen Tag vor Eröffnung des Weihnachtszaubers treffen sich Matuschak und Bohnstedt in einem Uelzener Café, die Standgebühr hat der Verkäufer dabei, noch am selben Nachmittag soll er seine Bude aufbauen. Doch wieder einmal kommt es zum Streit, der Markt-Chef stapft wutentbrannt in Richtung Rathaus. Von dort kommt wenig später dann der Anruf...

„Aus Sicht der Stadt hat Herr Bohnstedt so gravierend gegen geltende Regelungen verstoßen, dass wir kurzfristig die Notbremse ziehen mussten, um einen ordnungsgemäßen Ablauf des Weihnachtsmarktes sicherzustellen“, sagt dazu Rathaus-Sprecherin Ute Krüger. Wie denn Bohnstedt den Weihnachtszauber 2010 durch seine Anwesenheit hätte gefährden können, beantwortet Krüger mit Hinweis auf das „laufende Verfahren“ nicht. Begründen muss die Stadt die „Notbremse“ aber jetzt beim Verwaltungsgericht Lüneburg: Dort hat Bohnstedt gestern einen Antrag auf Erfüllung des Vertrages gestellt. Und er hat seinen ganz eigenen Verdacht über die Hintergründe des Verbotes: „Ich sollte ausbootet werden und zwar auf eine ganz linke Tour“, sagt er und zeigt auf seinen alten Standplatz. Dort steht jetzt ein anderer Beschicker und verkauft Original Thüringer Bratwurst.

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