Nur jeder Zweite kommt durch

Teamgeist ist gefragt beim Einsatz: Die Uelzener Spezialkräfte hier bei einer Vorführung in der Sporthalle am Hainberg. Die Ausrüstung wiegt bis zu 20 Kilo, deutlich mehr als bei anderen Einsatzkräften.Archivfoto: Ph. Schulze

Uelzen - Von Thomas Mitzlaff. Ihr Einsatzgebiet ist ganz Deutschland, sie werden gerufen, um gezielt Straftäter bei Großereignissen dingfest zu machen und obwohl schon mal zehn Wochenenden am Stück Dienst geleistet werden muss, kommen die Bewerber für die Eliteeinheit aus ganz Deutschland: Seit über zehn Jahren gibt es am Hainberg die Beweissicherungs- und Festnahmehundertschaft der Bundespolizei – jetzt bekam sie Nachwuchs.

Wenn es Krawalle im Hamburger Schanzenviertel gibt, ist es Aufgabe der Uelzener Spezialkräfte, auch im Chaos den Überblick zu behalten, bei Festnahmen eine lückenlose Beweiskette auch unter Anwendung von Foto- und Videotechnik vorzunehmen. Die bis zu 20 Kilo wiegende Ausrüstung ist umfassender als bei den regulären Einsatzkräften, dennoch gibt es immer wieder Verletzte zu beklagen. Brandverletzungen, Bänderrisse und Prellungen waren es unter anderem bei den letzten Krawallen im Schanzenviertel.

Trotz all dieser Strapazen stehen die Bewerber für die Festnahmehundertschaft am Hainberg Schlange. 35 neue Bundespolizisten hatten sich im April als Freiwillige für die Uelzener Spezialkräfte beworben, 22 Beamte begannen im Mai nach bestandenen Eignungsverfahren die Kräfte zehrende Spezialausbildung, 17 von ihnen konnten sie nach zehn Wochen erfolgreich beenden. Hundertschaftsführer Rüdiger Wnuck übergab ihnen die entsprechenden Urkunden. Bundesweit gibt es an fünf Standorten Hundertschaften der Spezialkräfte, die zum Einsatz kommen, wenn Fußball-Hooligans Randale machen, linke und rechte Demonstranten aufeinander losgehen oder Strafverfolgungsbehörden Unterstützung in Ermittlungsverfahren gegen die Organisierte Kriminalität benötigen.

120 Beamte stark ist die Uelzener Einheit, darunter sind nur fünf Frauen. Und auch die 17 Neulinge sind ausschließlich Männer.

Denn nicht nur die psychischen, auch die körperlichen Anforderungen sind extrem hart. „Wir suchen keine Rambo-Typen, Einzelgänger oder Abenteurer, sondern hochmotivierte, leistungswillige und -fähige Teamplayer“, sagt der Erste Polizeihauptkommissar Rüdiger Wnuck.

Die Spezialkräfte bestehen aus vielen kleinen Teams mit speziellen Aufgaben, die im Ernstfall zusammen abgestimmt den Erfolg im Einsatz erreichen sollen.

Viel Zeit zur Erholung wird es für die Neuen nicht geben, sie werden in die bestehenden Teams eingebaut. Und am Wochenende fährt die Einheit zur NPD-Demo in Bad Nenndorf.

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