Zehn Fälle im Oktober: Uelzener Autofahrer verschweigen Zusammenstöße

Jeder Dritte flüchtet

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Uelzen. Die Uelzener Polizei kämpft mit einer hohen Zahl an Unfallfluchten. Allein im Oktober sind zehn Unfallverursacher im Landkreis Uelzen mit ihrem Auto weitergefahren, ohne die Geschädigten oder die Polizei zu informieren. Das macht etwa ein Drittel aller Verkehrsunfälle im Landkreis aus. Drei dieser unbekannten Fahrer konnten sie bislang ausfindig machen.

Erst am vergangenen Samstagabend hat ein Autofahrer eine Mauer vor der Einfahrt eines Grundstücks an der Blumenstraße in Holdenstedt eingerissen und ist davongefahren. Die Anwohner haben nichts bemerkt: „Ich lag ganz relaxt in der Badewanne und habe Musik gehört“, schildert Susanne Bauck, ihr Mann habe ferngesehen. Eine Nachbarin habe Familie Bauck darüber informiert, dass es gerade an der Einfahrt gekracht habe, aber Angaben zum Fahrzeug konnte sie auch nicht machen. Blaue Lackspuren an den heruntergebrochenen Steinen geben einen Hinweis auf die Autofarbe. Rund anderthalb Meter Mauer müssen nun neu aufgebaut werden. Wie es an dieser übersichtlichen Stelle zum Unfall kommen konnte, kann sich die Familie nicht erklären.

„Wir haben auffällig viele Unfallflüchtige“, erklärt Carsten Kappey, aus der Abteilung für Verkehrsstraftaten und Verkehrsunfälle. „Und dass es wirklich null Hinweise gibt, ist relativ häufig.“ Die Unfallflüchtigen, die die Beamten im Nachhinein ermitteln können, sind zum großen Teil Senioren über 70 Jahre, sagt Kappey. „Sie sehen sich das an und gehen dann weg.“ Vermutlich unterschätzen sie die Schäden.

Für die Beamten heißt das, dass sie Hinweise auf die Fahrer suchen. Zu rund 90 Prozent der Unfälle werden Autos angefahren. Wenn an einer Stoßstange ein Schaden entsteht, kann es rund 800 Euro kosten, macht Kappey deutlich. Wenn noch etwas anderes am Auto beschädigt wird, steigen die Kosten schnell auf 3000 Euro. „Unfallflucht ist eine Straftat“, betont der Polizeibeamte, und ab 20 Euro Schadenssumme gibt es eine Geldstrafe für den Flüchtigen, die sich nach dem Einkommen richtet, in schweren Fällen kann die Fahrerlaubnis entzogen werden. „Zu 99 Prozent merken die Leute, dass sie etwas angefahren haben, dann müssen sie vor Ort warten oder über Notruf die Polizei informieren.“ Aber: „Man muss jemandem nachweisen, dass er es gemerkt hat.“

Die Polizei braucht für die Ermittlung des Unfallflüchtigen Hinweise auf den Wagen, irgendwelche Anhaltspunkte, um dann eine Abfrage beim Kraftfahrtbundesamt starten zu können. „Die größte Chance ist, wenn etwa vom Kennzeichen bekannt ist, dann kann man die Suche eingrenzen.“ Wer Hinweise auf den Unfall an der Blumenstraße in Holdenstedt hat, kann sich bei der Polizei Uelzen unter Telefon (05 81) 93 00 melden.

Von Diane Baatani

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