Alltag für Bundespolizei und Begleiter

Jede Woche: Wo Gewalt am Zug ist

Uelzen/Bremen. Mit Blaulicht bewegen sich die Volkswagen T5 zügig in Richtung des notgebremsten Metronom-Zuges. Kurz vor den Waggons bleiben die Fahrzeuge stehen, die Einsatzkräfte verlassen die Transporter und legen ihre Körperschutzanzüge an.

Die Bundespolizei vom Uelzener Hainberg probt den Ernstfall und das in einer groß angelegten Übung auf dem Gelände der Metronom-Eisenbahngesellschaft: Rund zwei Dutzend Fußball-Rowdies wurden beim Schwarzfahren erwischt, haben geraucht und Alkohol in dem Zug konsumiert, obwohl das verboten ist. Was die Vollstreckungsbeamten zum Zeitpunkt der Übung lediglich ahnen können: Nur einige Stunden später folgt ein realer Einsatz – mit Tausenden Fußball-Fans.

Die Austrüstung der Uelzener Bundespolizei

Ausrüstung der Bundespolizei Uelzen

Die Einsatzplaner hatten das Nordderby zwischen Werder Bremen und dem HSV als „Risikospiel“ eingestuft. Entsprechend hatten sie sich vorbereitet und die Fans beider Vereine konsequent getrennt. Bei so einer Partie wird das Sicherheitskonzept der Ordnungshüter, der Deutschen Bahn und der Metronom-Eisenbahngesellschaft naturgemäß auf eine harte Probe gestellt, weiß auch Hundertschaftsführer Bodo Pesarra (AZ berichtete). Zusammen mit seinen Kollegen Bernd Lüders und Denis Hoppe sowie einer großen Anzahl Polizeibeamter bewältigte er das Fan-Aufkommen im Bremer Bahnhof.

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Das größte Problem ist der Alkohol

Beim Nordderby galt es, sich auf 2000 Fußball-Fans in den Regionalzügen einzustellen. Dabei machten die Beamten keine Kompromisse: Wer sich nicht benehmen konnte, der fuhr sofort wieder zurück. Auch Beleidigungen gegen die Beamten stünden auf der Tagesordnung, schildert Lüders. So leicht bringt den routinierten Polizeihauptkommissar und sein Einsatzteam jedoch nichts aus der Fassung. „Wir haben ein dickes Fell“, sagt der erfahrene Ordnungshüter. Wer aber über die Stränge schlägt, der muss mit Konsequenzen rechnen. Unflätiges Verhalten war beim Einsatz zum Risikospiel allerdings das geringste Problem. Die rivalisierenden Fan-Gruppen auseinander zu halten, war da schon weitaus schwieriger. Nach dem Abpfiff stand es 2:0 für Werder Bremen. Die Bundespolizisten vom Uelzener Hainberg bekamen vom Spiel nicht viel mit. Sie waren damit beschäftigt, die Personalien von 370 Personen aufzunehmen und für Ordnung zu sorgen.

Trotz der weitreichenden Polizeipräsenz blieben Sachbeschädigungen nicht aus: So wurden unter anderem drei Waggons eines Metronom-Zuges beschädigt, in einem Wagen dazu noch ein Schwelbrand gelegt. Dennoch sind Einsatzkräfte sowie auch die Metronom-Eisenbahngesellschaft zufrieden: „Kein Beamter und kein Zugbegleiter kam zu Schaden“, zieht Hagen Tronje Grützmacher, Pressesprecher der Metronom-Eisenbahngesellschaft, eine positive Bilanz und betont: „Das ist das Wichtigste.“

Üben mit Krawall-Fans

Bundespolizei: Üben mit Krawall-Fans

Jeder beschädigte Wagen sei ein beschädigter Wagen zu viel, unterstreicht der Metronom-Sprecher, „bei Großveranstaltungen bleiben Zwischenfälle und Randale aber nicht aus.“ Weil mittlerweile auch Fahrten jenseits von Risikospielen eine Herausforderung für Zugbegleiter sein können, ist das Personal entsprechend für Konfliktsituationen geschult.

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„Wir haben einen Beförderungsauftrag“, so Grützmacher. „Wir können nicht von vornherein Menschen von Fahrten ausschließen“, erklärt der Pressesprecher weiter. Deshalb appellieren Zugbegleiter bei pöbelnden Fahrgästen an deren Verstand: „Reflektiert euch selbst“, lautet der eindringliche Rat der Mitarbeiter. „Viele vergessen, dass sie sich bei Zugfahrten im öffentlichen Raum befinden und nicht im eigenen Wohnzimmer“, nennt Grützmacher einen Grund für aggressives Verhalten.

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Der Termin für das nächste potenzielle Risikospiel steht nämlich schon fest: Beim Nordderby am 29. September treffen Tausende HSV- und Hannover-96-Fans aufeinander.

Von Michael Koch

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