Uelzen erlebt bislang äußerst milden Winter / Erste Bäume und Sträucher blühen schon

Ein Januar im Gewand des Mai

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Zartrosa Blüten an der Greyerstraße: Vor dem Gebäude der Uelzener Versicherungen blühen bereits die Zierkirschen.

Uelzen. Der Blick auf die Blütenpracht an der Greyerstraße deutet eher auf den Wonnemonat Mai als auf den Januar hin. Vor dem Gebäude der Uelzener Versicherungen stehen die Zierkirschen derzeit in zartem Rosa.

An einigen anderen Stellen in der Stadt zeigen sich erste Knospen an Bäumen und Sträuchern. Selten war ein Winter so anhaltend mild wie der diesjährige. Und auch gestern stieg die Temperatur in Uelzen wieder über die 10-Grad-Marke. Frühling statt Frost – die Natur spielt scheinbar verrückt.

Andrea Wingert, Meisterin im Uelzener Garten- und Landschaftsbau-Unternehmen Hoppe, blickt dem frühen Farbenspiel jedoch gelassen entgegen. Dass bereits jetzt Zierkirschen blühen, sei nicht ganz ungewöhnlich. „Das passiert, wenn es längere Zeit über null Grad ist“, weiß sie. Eine Seltenheit sei dagegen, dass die Haselnuss schon jetzt weit entwickelt sei. „Man kann erkennen, dass die ersten Kätzchen kommen.“ Auch Narzissen lugten vereinzelt aus dem Boden hervor, und bei Taglilien sehe man bereits frisches Grün. In einigen Gärten schauten sogar die ersten Tulpen und Krokusse aus der Erde, ergänzt Thomas Göllner, Leiter der Uelzener Stadtforst.

Sollte nach der langen milden Phase nun scharfer Frost einsetzen, erwartet Wingert keine größeren Schäden an den Pflanzen: „Solange diese noch nicht blühen, ist es unbedenklich. Auch bei den Zierkirschen ist das nicht so dramatisch. Kommt jetzt Frost, werden ihre Blüten eben früher braun.“

Sorgen hat dagegen Kreislandwirt Thorsten Riggert. Falls demnächst eisige Kälte ohne Schnee Einzug hält, könnte es prekär werden, glaubt er. „Gerade die Wintergerste auf den Feldern ist schon viel zu groß. Wenn es jetzt plötzlich minus 10 Grad werden, dann droht dort ein Totalverlust. Die Pflanzen frieren einfach kaputt, wenn keine schützende Schneedecke auf ihnen liegt“, befürchtet Riggert. Besser für das Getreide wäre daher ein langsamer Temperaturrückgang, erklärt er.

Auf die Tierwelt hätten die lauen Temperaturen hingegen nur wenig Einfluss, schildert Stadtförster Göllner. Mit zwei Ausnahmen: „Die Vögel haben schon angefangen zu singen, sie sind nicht so richtig in Winterstimmung.“ Außerdem seien die Igel relativ lange aktiv gewesen, anstatt in Winterschlaf zu gehen. Dagegen freue sich das Wild über ausreichend Nahrung in Wäldern und auf Feldern.

Nach Ansicht von Göllner hält sich die fast schon frühlingshafte Witterung aber noch im Rahmen. „Wir haben halt einen etwas milderen Winter als im letzten Jahr. Doch damals fing der Winter auch erst Mitte Januar an und dauerte bis in den April hinein“, erinnert er sich.

Wenn es zurzeit Leidtragende des außergewöhnlich milden Wetters gibt, so sind das die Menschen. Husten, Schniefen, tränende Augen: Einige Allergiker spüren bereits jetzt den Flug von Hasel- und Erlenpollen. Für beide Pflanzenarten weist der aktuelle Pollenflugbericht schwache Belastungen aus.

Von Bernd Schossadowski

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