Berufsschuldiakon Erwin Ehlbeck im Ruhestand / Christliche Orientierungshilfe für Alltag und Krisen

24 Jahre „Navi“ für Schülerseelen

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Weil einfaches und nicht so einfaches Volk früher bei Gottesdiensten – auch baulich – voneinander getrennt in der Kirche saßen, zieren Maria und Jesus den Leuchter am Altar der St.-Marien-Kirche in zwei Richtungen. Nur eins von vielen Details, die der Elektrikermeister und Berufsschuldiakon Ehlbeck nutzte, um Schülern Zusammenhänge von Religion und Handwerk aufzuzeigen.

Uelzen. Fragen in Liebesdingen, Angst vor Klassenarbeiten, der Tod eines Opas – in mehr oder weniger alltäglichen und auch in Krisensituationen war Berufsschuldiakon Erwin Ehlbeck in den zurückliegenden 24 Jahren Ansprechpartner für Schüler an der BBS I in Uelzen. Nun ist er im Ruhestand.

„Ich habe immer versucht, Orientierung zu geben“, sagt Ehlbeck in Bezug auf seine Arbeit mit den Berufsschülern, die überwiegend aus Religionsunterricht, aber vielfach auch aus außerschulischen Aktivitäten wie erlebnispädagogischen Seminarfahrten und zudem aus persönlichen Beratungsgesprächen bestand.

Trauerarbeit mit den Schülern vom Wirtschaftsgymnasium, mit den angehenden Maurern, Bäckern, Fleischern, Mechatronikern und allen anderen war für Ehlbeck immer wieder Thema. Allein 18 Schüler und zwei Lehrer kamen während seiner Zeit an der Schule ums Leben. Bei Autounfällen oder durch Selbstmorde.

Gebete, Kerzen, Rituale hätten in solchen Situationen dazu beigetragen, die negativen Erfahrungen zu verarbeiten, meint Ehlbeck. Grundsätzlich, so der Diakon, sei Religion für ihn „der Versuch des Menschen seine unterschiedlichen Lebenserfahrungen und Wahrnehmungen für sich ‘in Reihe’ zu bringen“. Der Glaube an eine höhere Kraft könne dabei helfen. Wobei der 63-Jährige einschränkt: „Ich bin natürlich nicht an alle herangekommen.“

Als „positiven Kult“, der seine Gläubigen aufbaut und bestärkt sieht Ehlbeck die evangelische Kirche. Aber auch mit „destruktiven Kulten“ hatte Ehlbeck zu tun. Da war zum Beispiel der Fall einer Schülerin, die in Lüchow-Dannenberg „Satanismus-Erfahrungen“, einhergehend mit sexuellem Missbrauch machen musste. Immer wieder erlebten auch Schüler die Enge religiöser Gemeinschaften, wenn sie sich als schwul oder lesbisch outeten.

Neben der Hoffnung, Halt und Orientierung bieten zu können, war für Ehlbeck der Spaß an der Arbeit mit Jugendliche der rote Faden, der sich durch die 24 Jahre an der BBS zog. „Spaß“, so der leidenschaftliche Leser und Reisende, „am Thema haben“ sei auch sein Credo für die Unterrichtsgestaltung.

An der Schule spricht man anerkennend über die Leichtigkeit, mit der der Handwerksmeister und Geistliche beispielsweise die Verbindung von Maurerarbeiten und Religion anhand der Kuppeln in der St.-Marien-Kirche aufzeigen konnte. Aber auch Opherus-Sage, den Schutzheiligen des Verkehrs Christophorus, den Rettungshubschrauber für die Region, Christoph 17, Fahrzeugtechnik und sichere Fahrweise verbindet Elhbeck im Gespräch „wie nix“, nur um wenig später mittelalterliche Architektur und Bautechnik mittels Zwölf-Knoten-Schnur und Sandkiste und Logen-Wissen zu umreißen.

Heute, so Ehlbeck, sei Wissen im Grunde „wie Fast-Food“. Die Schüler guckten auf dem Smartphone etwas nach, nähmen es vielfach für bare Münze – und hätten es nicht selten schon bald vergessen. Für den Mann von Pastoralpsychologin Christine Ehlbeck ein Beispiel für „veränderte Rahmenbedingungen“, mit denen Schüler heutzutage klarkommen müssten.

Den Schülern, die derzeit neu an der BBS starten, wünscht Erwin Ehlbeck, „dass sie ihre Ziele erreichen können.“ Dabei helfen würden ihnen die Orientierungswoche an der Schule, Sozialarbeiter, Lehrer Beratungslehrer und sein Nachfolger – Michael Fendler.

Von Steffen Kahl

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