Gnadenhochzeit bei Ehepaar Jocksch / Ehefrau Anna feierte vor Kurzem auch 100. Geburtstag

70 Jahre Eheglück

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Anna (100) und Paul Jocksch (95) sind heute seit 70 Jahren verheiratet. Eine Zeit, die von Arbeit, Familie, Freunden, Reisen und ehrenamtlichem Engagement geprägt war.

Uelzen. In Zeiten von Beziehungsanbahnung per Smartphone samt „Dating-App“ und Beziehungsbeendung per Whatsapp-Nachricht oder gar „Ghosting“ ist einem Ehepaar aus Uelzen ein seltenes Glück vergönnt.

Ein Glück, das auch vor dem Hintergrund heutiger Scheidungsraten bemerkenswert ist: Anna und Paul Jocksch blicken am heutigen Mittwoch auf 70 gemeinsame Ehejahre zurück – Gnadenhochzeit.

Nur drei Mal in den vergangenen zehn Jahren haben andere Uelzener Paare eine ebenso lange Ehe feiern können, teilt die Stadt auf AZ-Anfrage mit.

11. Januar 1947. Nachkriegszeit. Zeit von Bescheidenheit und harter Arbeit. Jocksch feiern ihre Hochzeit auf engstem Raum in einer vorübergehenden Unterkunft in Neu-Ripdorf. Ein Zuhause, das bald darauf – das Ehepaar zeugt drei Söhne – für die erweiterte Familie zu klein ist. So wird ein neues Heim am Hesterkamp bezogen. Das ist die damalige Bezeichnung für die Baracken an der Zuckerfabrik. 1960, vor 57 Jahren also, der letzte Umzug: Familie Jocksch bezieht ein Reihenhaus im Uelzener Sternviertel – das Ehepaar lebt bis heute gemeinsam in der Hollernriede im Uelzener Westen.

Paul Jocksch, heute 95 Jahre alt, schreibt in seinem Berufsleben die Uelzener Stadtgeschichte mit. Der ehemalige Polier bei der Baufirma Heinrich Schulze war an dem Bau der Firma Uelzena und einiger anderer bekannter Uelzener Bauwerke beteiligt. Und auch im Sport hinterließ er seine Spuren, war in seiner Freizeit Jugendleiter beim Sport-Club Uelzen 09 und ist heute dessen ältestes Mitglied. Neben der Begutachtung von Nachwuchstalenten war sein Urteil zudem auch ab und zu als Schöffe beim Landgericht gefragt.

Anna Jocksch war in den vielen gemeinsamen Jahren ebenfalls sehr rührig. Die Ende Dezember 100 Jahre alt gewordene Frau kümmerte sich zwar lange hauptsächlich um die Kinder und den Haushalt. Sie hat zusammen mit ihren Schwestern Lina und Christel aber auch an angenehmen Kinobesuchen zahlloser Uelzener mitgewirkt – indem sie im Central-Theater putzten und sich um den Kartenverkauf kümmerten. Weitere Stellen hatte Anna bei der Uelzena und bei der Eierverwertung.

Natürlich war das Paar auch gemeinsam aktiv, beispielsweise gingen die Jockschs in jüngeren Jahren gerne auf Reisen. Mit dem Bus oder mit dem Auto gelangten sie an diverse Reiseziele in Österreich und in Spanien oder auch in Deutschland – Berlin, der Schwarzwald und die Halbinsel Darß an der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns gehörten zu ihren Zielen.

Die letzten Reisen wurden meistens gemeinsam mit dem Sohn Werner und der Schwiegertochter Brigitte unternommen. Und die Familie spielt im Leben der Jockschs auch insgesamt eine große Rolle. Neben den drei Söhnen haben sie zwei Enkelsöhne und einen Urenkelsohn – alle wohnen in der Nähe und helfen auch gerne, wenn die Eltern, respektive Großeltern, sie brauchen.

Und genau wie die Familienbande halten bis heute auch die Verbindungen zu Freunden und Vereinskollegen: Viele Jahre lang hatten Anna und Paul Jocksch einen Schrebergarten im Kleingartenverein „Im Redder“. Diesen mussten sie zwar aus gesundheitlichen Gründen vor etlichen Jahren abgeben. Aber noch heute wird das Ehepaar von den Freunden aus dem Gartenverein immer reichlich versorgt.

Alles weist also auf ein erfülltes Eheleben. Dass die Jockschs ihre Gnadenhochzeit heute dennoch nicht feiern, liegt am 100. Geburtstag von Anna vor zwei Wochen. Da erst haben die Eheleute Familie und Freunden bewiesen, dass sie noch feiern können.

Von Steffen Kahl

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