Uelzener Kreisvereinigung Lebenshilfe feiert runden Geburtstag

50 Jahre im Dienst der Frühförderung

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Das Sommerfest des Lebenshilfevereins im Jugenddorf Molzen ist Höhepunkt des Jahres. Um das Fest zu stemmen, fänden sich für einen Tag ausreichend Helfer. Es mangele an Ehrenamtlichen, die sich dauerhaft engagierten, sagt Vereinsvorsitzender Manfred Schulz.

Uelzen/Landkreis. Als Wilhelm Brunken 1966 seine damals zwei Jahre alte Tochter Meike fördern wollte, gab es für ihn keine Anlaufstelle im Landkreis. Das Kind war mit dem sogenannten Down-Syndrom (Trisomie 21) geboren worden.

Auch Manfred Schulz’ Sohn Sebastian kam vor 33 Jahren mit dem gleichen genetischen Defekt zur Welt. „Als ich seinerzeit mit ihm spazieren ging, hatte ich immer das Gefühl, die Gardinen hinter den Fenstern gehen auf“, sagt er. Der heute 92 Jahre alte Brunken gründete vor 50 Jahren die Lebenshilfe Kreisvereinigung Uelzen, seit 30 Jahren ist Schulz Lebenshilfe-Vorsitzender.

Das Kernteam der Lebenshilfe Uelzen: Bärbel Gansebohm, Anja Schulz, Ina Huppert und Manfred Schulz (von links).

In den Jahren hat sich viel zum Besseren verändert für Menschen mit Behinderungen, bilanziert Ina Huppert. Sie arbeitet seit 25 Jahren in der Frühförderstelle, die vom Verein getragen wird. Seit neun Jahren leitet sie die Einrichtung. „Es gibt heute viel mehr Möglichkeiten der Betreuung und Förderung von Kindern mit Behinderungen oder Entwicklungsverzögerungen“, sagt Huppert. Eltern oder auch Ärzte seien beim Erkennen sensibler geworden, was Defizite oder Behinderungen der Kinder angehe. Es werde in den meisten Fällen heute viel früher mit der Förderung angesetzt. 80 Kinder beziehungsweise Familien betreuen die sieben hauptamtlichen Sozialheil- und Sozialpädagogen der Frühförderstelle derzeit im Landkreis. „Die Förderung läuft gut, wir sind anerkannt und genießen eine guten Ruf“, sagt Huppert. Das Angebot ist niederschwellig. Die Mitarbeiter der Frühförderstelle besuchen die Familien in ihrem Zuhause und arbeiteten dort mit den Kindern. „Das nimmt Berührungsängste“, weiß Ina Huppert.

In den vergangenen Jahren haben die Haupt- und Ehrenamtlichen eine Entwicklung festgestellt, die sie mindestens nachdenklich stimmt. „Menschen mit dem Down-Syndrom haben wir derzeit gar nicht in unserer Klientel“, sagt Anja Schulz, Vorstandsmitglied beim Verein Lebenshilfe. Grund: Werde bei der vorgeburtlichen Diagnostik der Gendefekt festgestellt, entschieden sich die allermeisten Frauen zu einem Schwangerschaftsabbruch, wissen Schulz und Huppert.

Das habe auf Sicht Folgen: „Eltern, sich trotz Down-Sydroms für das Kind entscheiden, haben in Zukunft möglicherweise weniger Einrichtungen zur Förderung ihres Nachwuchses“, sagt Ina Huppert. In skandinavischen Ländern kämen fast überhaupt keine Babys mehr mit Trisomie 21 zur Welt, ergänzt Manfred Schulz. Bei immer weniger Betroffenen sänken meist Hilfs- und Beratungsangebote.

Sorge bereitet Schulz das immer mehr wegbrechende Engagement von Ehrenamtlichen in der Kreisvereinigung. Zwar zähle der Lebenshilfeverein rund 100 Mitglieder, doch nur fünf davon, darunter Manfred Schulz als Vorsitzender und Tochter Anja als Schatzmeisterin, sind ehrenamtlich dauerhaft dabei. „Es gibt einen Rechtsanspruch auf Frühförderung von Kindern, der über den Landkreis abgewickelt wird“, sagt Anja Schulz. Der zahlt für die Leistungen, die der Verein mit seinen angestellten Fachleuten erbringt einen bestimmten Satz. Nur: „Das ganze Management, das dahintersteckt, wie die Buchhaltung, das wickeln neben unserer Bürokraft Bärbel Gansebohm die ehrenamtlichen Mitarbeiter ab“, berichtet Manfred Schulz. Nicht zu vergessen, die Organisation von Ausflügen und des Sommerfestes, der Höhepunkt des Jahres im Vereinsleben. Die Zeiten, als Brunken fast aus dem Stand 200 Mitglieder akquirierte, seien eben 50 Jahre her, so der Vorsitzende.

Von Jens Schopp

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