Mit „Ja‘chabibi“ ins Glück

Uelzen. Jede Braut ist die schönste der Welt. Für jede arabische Braut allerdings gilt der Spruch des „Spieglein, Spieglein an der Wand“: Sie ist „tausendmal schöner als Ihr“! Und auch wenn Zhraa Daher aus Ebstorf nicht unter der Last des Goldschmucks zusammen brach, der eigentlich zu solchen Anlässen präsentiert wird (früher war der eine Art Versicherung für die Ehefrau) und ihre Hände keine kunstvollen Henna-Verzierungen schmückten:

Am Sonnabend war sie die Allerschönste. Die 18-Jährige heiratete den 27-jährigen Akram Akeel, den sie vor zwei Jahren in einem Urlaub in ihrer Heimat Beirut kennen gelernt hatte.

Der stolze Brautvater Bassam Daher kam 1988 nach Deutschland. Nach den Gründen befragt, genügt ein Satz: „Es war damals Krieg bei uns.“ Ob er sich inzwischen hier Zuhause fühlt? Seine Tochter wurde jedenfalls hier geboren.

Der Saal vibrierte, denn es war eine laute, fröhliche Feier. Rund 300 Gäste waren gekommen. „Ja‘chabibi“ schwärmt die traditionelle Musik, was „mein Liebling“ heißt. Wenn das kein gutes Omen ist. „Nein“, sagt Bassam Daher, „einen Brautpreis habe ich natürlich nicht verlangt.“ Für viele wäre die Summe noch etwas zum Renommieren, aber in dieser Beziehung orientiere man sich westlich.

Geheiratet hatten die beiden jungen Leute bereits vor einem Jahr im Libanon; die Eheschließung wird in Deutschland anerkannt. Als Anlass für das Fest in der Stadthalle gilt die ab jetzt gemeinsame Wohnung des Paares. Der Bräutigam ist erst seit einem halben Jahr hier. Er lernt noch Deutsch, eigentlich ist er Elektriker. Die Braut hat einen Ausbildungsplatz zur Friseurin.

Der Trommler ruft die Gäste zum gemeinsamen Tanz. Es sei wie bei den Griechen, erklärt der Brautvater. Das stimmt, so ähnlich wie bei deren Tänzen ist die Formation, nur der Takt ist ein anderer, bei dem sich alle im offenen Kreis, an den Händen gefasst, vorwärts bewegen.

Wie arabisch ist diese Hochzeit? „Sagen wir, 50 Prozent“, erwidert Bassam Daher. Schaut der fremde Besucher genauer hin, ist es so wie überall: Man sitzt zusammen, redet über die Brautleute und ob sie wohl glücklich aussehen. Die Kinder springen herum, auch die Kleinsten sind dabei. Es gibt kein großes Menü, nur eine Kleinigkeit zu essen, so wie im Libanon üblich. Und keinen Alkohol. Vielleicht ist auch das der Grund, dass es friedlich zugeht. Laut, aber nicht aggressiv. Und Weihrauchduft gibt es nicht. Schade eigentlich.

Die wenigen deutschen Gäste schauen manchmal ein wenig irritiert, aber an der Herzlichkeit dieser Hochzeitsgesellschaft können sicherlich auch sie nicht vorbei.

Alles Glück wird dem jungen Paar gewünscht. Sie können es gebrauchen, so weit weg von ihren Wurzeln im manchmal – nicht nur meteorologisch – sehr kalten Deutschland.

Von Barbara Kaiser

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