Ausstellung „Blinde im Spiegel der Kunst“ eröffnet / Führungen am 13. August

Von der Isolation zur Teilhabe

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Helga Neumann, Vorsitzende des Blinden- und Sehbehindertenverband Niedersachsen (BVN), Otto Lukat und Ingeborg von der Ohe vom Bezirksgruppe Uelzen des BVN eröffneten die Ausstellung (rechtes Bild, von links).

Uelzen. „Eine klug gemachte Ausstellung“, begrüßte Hausherr Otto Lukat im Rathaus der Stadt Uelzen die Wanderausstellung „Blinde Menschen im Spiegel der Kunst“ des Blinden- und Sehbehindertenverbands Niedersachsen (BVN).

Und nicht nur wer, wie der Bürgermeister, in seinem eigenen Leben Erfahrungen mit den Lebensbedingungen blinder Menschen hat, wird in dieser Ausstellung sehr viel Berührendes, aber auch Belehrendes und Bereicherndes für sein eigenes Leben finden.

Konzertsänger Lothar Littmann

Zur Eröffnung der Ausstellung bot der blinde Konzertsänger Lothar Littmann eine beeindruckende künstlerische Leistung, sang am Klavier Chansons von Georg Kreisler und las Texte aus „Der Ohrenzeuge“ von Elias Canetti und Gedichte aus dem „Lyrischen Stenogrammheft“ von Mascha Kaléko. Es war alle Besucher der Eröffnungsfeier ein besonderes Erlebnis zu sehen, wie er blitzschnell über die ihm in der Blindenschrift, der Brailleschrift, vorliegenden Manuskripten eine lebendige, mit beeindruckender Gestik und Mimik versehenen Darstellung, die Texte vortrug. Wer kennt sie nicht, die großen Werke, wie Rembrandts blinden Fiedler, Groszs Kellerassel, Picassos Büglerin und den Streichholzhändler von Otto Dix, in denen blinde Menschen dargestellt werden. Mit diesen Darstellungen von Künstlern und Literaten gelingt es, die Entwicklung nachzuvollziehen, wie blinde Menschen zu früheren Zeiten oftmals am Rande der Gesellschaft ihr Leben fristen mussten und aus dieser Isolation heraus nach und nach selbstverständliche Teilhaberechte in Bildung und Arbeit erlangten. „Da ist man froh, heute geboren zu sein“, bestätigte Helga Neumann bei ihrer kurzen Einführung in die neue Ausstellung, „weil es noch nicht lange selbstverständlich ist, dass wir Blinde zur Gesellschaft dazu gehören.“

So zeigt die erste Tafel der Ausstellung mit der Überschrift „Blinde und das Betteln“, dass das Betteln für Blinde eine wesentliche Existenzgrundlage darstellte. Die weiteren Teile der Ausstellung zeigen Kunstwerke, in denen „Blinde und ihre Ausbildung“, „Blinde und ihre Arbeit“ eine zentrale Rolle für den Künstler einnahmen. Denn erst mit den Ideen der Aufklärung und dem Vormarsch der Naturwissenschaften keimte auch in Europa die Erkenntnis von kognitiven Fähigkeiten Blinder.

Die Ausstellung wird zu den Öffnungszeiten des Rathauses in der Zeit von 9 bis 16 Uhr im Foyer noch zwei Wochen, also bis zum 14. August, zu sehen sein. Dienstag, 13. August, werden Führungen durch die Ausstellung angeboten. Wer die Wanderausstellung im Uelzener Rathaus dennoch verpassen sollte oder sie gerne noch jemandem zeigen möchte, kann sie demnächst auch in Lüneburg bewundern.

Von Angelika Jansen

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