Ein Frühstück im im DRK-Mehrgenerationenzentrum stellt Tradition vor und baut Vorbehalte ab

Interkulturell und fröhlich

Arabischer Mokka gefällig? Saskia Rauwald (Zweite von links) hatte die Idee zu diesem Frühstück.

Uelzen. In den Märchen heißt es oft bei ähnlichen Gelegenheiten: Die Tafeln brachen fast unter ihrer Last. Ganz so schwergewichtig ging es zwar am Sonnabend im Mehrgenerationenzentrum des DRK (MGZ) nicht zu, opulent jedoch musste allemal genannt werden, was da auf die Tische kam. Und unvergleichlich wohlschmeckend!.

Das MGZ lud in Kooperation mit dem Jugendmigrationsdienst Uelzen zum ersten „Interkulturellen Frühstück“, auf dem es kulinarisch islamisch zugehen und unter anderem über den Ramadan gesprochen werden sollte. Es gab neben den Leckereien arabischen Mokka (leider ohne Kardamom!) und türkischen Tee und ganz viel Freundlichkeit.

In der Küche des DRK-Mehrgenerationenzentrums: Zeynep Ilham (von links) mit Tochter Sumaya, Ikran Fneich und Swantje Dost-Kraft aus Stederdorf. Fotos: Kaiser

Zeynep Ilham und Ikran Fneich wirbeln früh schon in der Küche. Beide Frauen stammen aus dem Libanon und leben seit 1989 beziehungsweise 1986 in Deutschland. Für sie ist der Ramadan, der in diesem Jahr vom 1. bis 31. August dauerte, ein heiliger Monat, ganz wie es im Koran steht. „Wenn man fastet“, sagt Zeynep, „kann man auch daran denken, wie es anderen Menschen ergeht.“ Sie nennt ohne Nachfrage sofort das Stichwort Somalia, wo sich die größte Hungerkatastrophe abspielt. „Es fällt nicht schwer“, ergänzt Ikram und verweist auf den großen Respekt, den ihr ihre Kollegen in diesen besonderen Monat entgegen bringen und dass es schließlich bei den Christen auch eine Fastenzeit gäbe. „Mein elfjähriger Sohn durfte dieses Jahr auch mit fasten, aber nur in den Ferien“, berichtet sie; und der Stolz über den Mut ihres Jungen ist ein bisschen zu hören. „Mir fällt der Ramadan nur schwer, weil ich Raucherin bin“, lacht Zeynep. Aber auch das hält sie aus. Denn der Abschluss der Fastenzeit sei „wie Weihnachten“.

Zum Frühstück versammeln sich dann weniger Leute als erhofft. Es ist schade, dass man weitgehend unter sich bleibt. „Es ist unsere Erfahrung“, erklärt Annette Denkena, die Leiterin des MGZ, „dass eine Premiere immer zögernd angenommen wird. Vielleicht kommen das nächste Mal mehr.“ Inwiefern Vorbehalte eine Rolle spielen, würde Denkena auch interessieren; aber wer bekäme bei derlei Untersuchungen konkrete Ergebnisse.

Monika Rechenberg, Mitarbeiterin beim Betreuungszentrum Uelzen, ist „aus Neugier und halb-dienstlich“ gekommen. „Wir sollten die kulturellen Unterschiede verstehen und akzeptieren lernen, nur so können wir Hilfesuchende gerechter behandeln“, sagt sie aus ihrer Sicht.

„O Gläubige, auch eine Fastenzeit ist euch wie euren Vorfahren vorgeschrieben“, heißt es im Koran, Sure 2/184. Mit den Vorfahren meint das Heilige Buch diejenigen, die Urväter dreier Weltreligionen sind. So weit sind wir also gar nicht auseinander! Wir müssten nur Verständigung versuchen. Das „Interkulturelle Frühstück“ im MGZ war ein weiterer Schritt.

Von Barbara Kaiser

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