Schümann: "auf übelste Art und Weise getäuscht worden“

Citymanager Lotz zu Verurteilung: "Das posaunt man nun einmal nicht herum"

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Wegen Insolvenzverschleppung rechtskräftig verurteilt: Joachim Lotz.

Uelzen. Die Umstände der Bezahlung von Uelzens Citymanager Joachim Lotz werfen fast täglich neue Fragen auf: Denn auch nach der Veröffentlichung des Berichtes eines von der Stadt beauftragten Wirtschaftsprüfers treten immer neue Fakten zu Tage, die die Rolle der Protagonisten in der Vertragsaffäre in anderem Licht erscheinen lassen.

So erhielt der Citymanager bis vor drei Jahren eigentlich eine Aufwandtsentschädigung von 2500 Euro monatlich, die an seine Schimmel Papeterie GmbH und Co KG überwiesen wurde. Und zwar von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft WFG, die zu Teilen eine Tochter der Stadt ist, und an die die Stadt die entsprechenden Steuergelder überwies.

Im Januar und Februar 2013 überwies die WFG dann plötzlich jeweils 7500 Euro, also jeweils die dreifache monatliche Bezahlung im voraus. Pikant: Die Schimmel Papeterie mit ihrem Geschäftsführer Joachim Lotz war zu diesem Zeitpunkt offenbar schon überschuldet. Denn als sie nur drei Monate später Insolvenz anmeldete, nahm die Staatsanwaltschaft Lüneburg Ermittlungen wegen Insolvenzverschleppung gegen Lotz auf.

Als die AZ am Donnerstagvormittag dieser Woche den früheren Citymanager mit ihren entsprechenden Recherchen schriftlich konfrontierte und um Stellungnahme bat, meldeten sich stattdessen wenige Stunden später schriftlich der frühere WFG-Geschäftsführer Markus Schümann und der WFG-Aufsichtsratsvorsitzende Stefan Hüdepohl und veröffentlichten Pressemitteilungen, Lotz habe sie gerade über seine rechtskräftige Verurteilung wegen Insolvenzverschleppung informiert. „Alle Beteiligten sind auf übelste Art und Weise getäuscht worden“, schrieb etwa Schümann. Er verurteile das Verhalten von Lotz auf Schärfste; dieser habe diese Information „trotz wiederholter Nachfragen vorsätzlich vorenthalten“. Lotz und Schümann waren zurückgetreten, nachdem in diesem Jahr ein neues Bezahlmodell bekannt worden war, indem ein Großteil des Geldes nicht mehr an den Citymanager selbst, sondern eine Gesellschaft seiner Ehefrau floss. Dieses Vertragskonstrukt hatte die WFG-Geschäftsführung dem Aufsichtsrat vorgelegt und dessen Frage nach Gläubigern vereint – obwohl es welche gab, heißt es im Bericht der Wirtschaftsprüfer (AZ berichtete). Der Vorschlag zu diesem Bezahlmodell sei von Joachim Lotz gekommen, erklärte Schümann.

Von Thomas Mitzlaff

Aus der Stellungnahme von Joachim Lotz

Der zurückgetretene Citymanager äußerte sich am Freitagmittag erstmals nach seinem Rücktritt wieder öffentlich: "Weder der Stadt noch der WFG sind durch die Vorschüsse oder die festgestellte zu späte Insolvenzanmeldung ein wirtschaftlicher Schaden entstanden. Trotzdem betrüben mich die Geschehnisse zutiefst (...)" Für die Schimmel Papeterie habe man bis zum letzten Moment versucht, das Unternehmen und die Arbeitsplätze zu erhalten. Doch die Bank habe im November 2012 die Kreditlinie nicht ausweiten wollen oder können. Und weiter: "Die gezahlten Vorschüsse sind mit erbrachten Leistungen gegen gerechnet worden, dies ist kaufmännisch eine gängige Übung". Die WFG habe er über den Strafbefehl wegen Insolvenzverschleppung nicht informiert, weil ihm das als Unternehmer peinlich gewesen sei: "Das posaunt man nun einmal nicht herum."

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