Plakate kleben, Infostände organisieren: Piraten setzen wie andere Parteien auf üblichen Wahlkampf

Inhalte statt Prozentdebatten

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Plakate kleben, Infostände organisieren: Piraten setzen wie andere Parteien auf üblichen Wahlkampf.

Uelzen. Die Gretchenfrage möchte Titus Tscharntke eigentlich lieber nicht beantworten. Erst als die anderen am Tisch eine Prognose wagen, wie die Piraten bei der Landtagswahl am 20. Januar abschneiden, lässt er sich dazu hinreißen, auch eine Zahl zu nennen.

„Sechs Prozent“, purzelt aus ihm dann heraus. Das sei schon drin. Auch Prognosen von „vier Prozent“ oder „fünf plus x“ sind von den insgesamt sechs Teilnehmern des Piratenstammtischs im Bistro Einstein zu vernehmen.

Üblicherweise wird einmal im Monat dazu eingeladen. Nun, vor der Landtagswahl, findet er wöchentlich statt. Die etablierten Parteien laden zu Vortragsabenden zu Fracking und Agrarpolitik ein, halten Parteitage ab, kriegen von namhaften Bundespolitikern Besuch.

Die Mitgliederzahl der Piratenpartei in der Heideregion hingegen ist noch überschaubar und bekannte Gesichter kann die Piratenpartei noch nicht präsentieren – deshalb der Stammtisch, zu dem alle herzlich eingeladen seien, sagt Tscharntke. Er biete Gelegenheit zum Austausch und die Möglichkeit, über das von den Medien so vermisste Parteiprogramm zu sprechen. Auch jetzt möchte der Direktkandidat der Piratenpartei über Inhalte sprechen, lieber als über Prozentzahlen. So holt er dann auch das Wahlprogramm der Piratenpartei Niedersachsen hervor und entschuldigt sich sogleich für das dünne Papier, auf dem es gedruckt ist. „Aber es wurde in einer sehr großen Auflage gedruckt“ – sagt er. Der Verbreitungsgrad geht vor Schönheit. Dass die Piratenpartei überhaupt soviel noch auf Gedrucktes setzt? „Wir wollen auch jene erreichen, die vielleicht nicht so firm sind in Sachen Internet. Aber grundsätzlich werden alle Kanäle genutzt“, sagt Titus Tscharntke.

Das dominierende Thema des Abends ist das Urheberrecht, ein Steckenpferd nicht nur von Tscharntke, der sich selbst „eine sehr eigenwillige Position“ dazu attestiert, sondern von allen am Tisch. Die Teilnehmer haben allesamt beruflich mit der IT-Branche zu tun. Nur wenig Verständnis für das heute zwar noch geltende, aber nicht mehr zeitgemäße Urheberrecht habe man, heißt es in der Runde. Es sei nicht nachzuvollziehen, wenn jemand seine Werke in alle Welt hinausschickt, um einen entsprechenden Bekanntheitsgrad zu gelangen, dann aber bei einem entsprechenden Status Rechtsanwälte beauftrage, nachzuforschen, wer womöglich Inhalte unrechtmäßigerweise nutzt. „Da muss ein neues Urheberrecht her“, sagt Titus Tscharntke. Ihn treibe auch das Thema freier Zugang zu Inhalten bei der Bildung um. Verlage nötigten beispielsweise Lehrer dazu, Vereinbarungen zu unterzeichnen, in denen den Pädagogen strikte Auflagen gemacht würden, was bei der Nutzung im Zusammenhang mit Kopieren von Inhalten erlaubt sei und was nicht.

Noch viel könnte an diesem Abend erörtert werden, sind sich die Teilnehmer einig. Doch die Zeit ist vorangeschritten und noch gibt es eine kleine Tagesordnung, die abzuarbeiten ist, drängt Rolf Tischer, der Stadtrat in Uelzen ist. Es muss noch geklärt werden, wer beim Infostand in der Innenstadt dabei ist und wer Plakate aufhängt. Da unterscheiden die Piraten sich nicht von den etablierten Parteien. Ob klein oder groß – Organisatorisches ist immer zu bewältigen.

Von Norman Reuter

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