„Ich rannte los, er kam hinterher“

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Prozess um Überfallserie auf Frauen in der Innenstadt: Der Täter schlug im Dunkeln zu.

Uelzen - Von Thomas Mitzlaff. Maren W. (Name geändert) ist erst 15 Jahre alt, als ihr der Albtraum aller Frauen passiert. Nachts auf dem Heimweg durch die Uelzener Innenstadt hört sie Schritte. Die Jugendliche geht schneller, dann rennt sie.

Und auch der Verfolger beginnt zu laufen. Dann holt er sein Opfer ein, streckt es mit einem Faustschlag ins Gesicht zu Boden, würgt es fast bis zur Bewusstlosigkeit und droht der jungen Frau, sie zu erschießen. Maren W. erleidet unter anderem Wunden im Gesicht, eine Hand ist gebrochen. Die körperlichen Blessuren werden weitgehend verheilen – doch die psychischen Folgen der brutalen Attacke vom Februar 2010 unweit von ihrem Zuhause werden die 15-Jährige womöglich ein Leben lang verfolgen.

Maren W. soll laut Anklage das jüngste Opfer von Dennis M. sein. Wegen dreier nächtlicher Überfälle auf junge Frauen in der Uelzener Innenstadt steht der 29-Jährige vor dem Lüneburger Landgericht. Sechs solcher Taten nach ähnlichem Muster hatte es gegeben, doch nur wegen dreien hat die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben.

Denn die Beweislage scheint schwierig. Zwar wurde M. zwei Mal in Tatortnähe festgenommen und hat verdächtige Verletzungen an einem Unterarm, zudem hofft die Anklage auf die Aussagekraft von DNA-Spuren. Doch die Täterbeschreibungen durch die Opfer, die stets von hinten angegriffen wurden, sind vage. Der Angeklagte selbst beteuert seine Unschuld.

Maren W. war um fünf Uhr auf dem Heimweg von einer Geburtstagsfeier. Schon an der Veerßer Straße fällt ihr ein Mann mit einem Fahrrad auf, der sie zu beobachten scheint. Doch der Radler biegt zunächst in eine Seitenstraße ab. Die 15-Jährige geht weiter über die Gudesstraße in Richtung Hammersteinplatz.

Zehn Meter hinter ihr ist wieder ein Mann. „Ich fühlte mich komisch, war aber nicht sicher, ob der auch nur auf dem Heimweg ist“, schildert sie gestern am dritten Prozesstag. Ein Streifenwagen fährt langsam an Maren W. vorbei. Sie reagiert nicht. Nur wenige Minuten später auf der Scharnhorststraße hat sie die grauenvolle Gewissheit – der Unbekannte verfolgt sie tatsächlich.

Der Angreifer würgt das am Boden liegende Opfer von hinten, versucht dessen Schreie mit einer Hand vor dem Mund zu verhindern. Dann fordert er sie auf, sich auszuziehen. Doch Gäste einer angrenzenden Gaststätte werden auf den Kampf aufmerksam, der Täter flüchtet. Die alarmierte Polizei ist schnell da, sie kann unweit des Überfallortes Dennis M. stellen. Der streitet alle Vorwürfe ab. Die Beamten zeigen Maren W. zunächst ein Foto, später schaut sie sich auf der Wache durch das Guckloch der Zellentür den Festgenommenen an. Größe und Statur passen, doch identifizieren kann sie ihn nicht – wie auch das erste Opfer, das aussagte.

Der Prozess wird im Februar fortgesetzt. Dann wird das dritte Opfer vernommen, außerdem hat das Gericht ein weiteres Gutachten zur DNA-Spurenlage angefordert. Dennis M. wird bis zum Abschluss des Verfahrens in Untersuchungshaft bleiben.

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