„Ich kann es verdrängen“

Marco Weiss (rechts) mit Vladimir Burlakov, der ihn spielt, und Marcos Filmmutter Veronica Ferres am Montagabend bei der Filmpremiere in München. Foto: dpa

Uelzen/München. Nein, der rote Teppich ist nicht unbedingt seins. Zurückhaltend, wenn nicht gar schüchtern, läuft Marco Weiss am Montagabend durch das Blitzlichtgewitter am Münchner Filmcasino. Der Uelzener hat keine Übung in solchen Dingen – woher auch? Aber er wollte unbedingt dabei sein, wenn der Fernsehfilm, der seine Geschichte erzählt, seine 247 Tage im türkischen Knast beschreibt, der Presse gezeigt wird. „Ich finde, es ist ein großartiges Werk geworden“, sagt er nach der Vorführung unserer Zeitung.

Und er hat Recht: Vor allem Hauptdarsteller Vladimir Burlakov liefert eine beeindruckende Leistung. Genauso wie Veronica Ferres, die Marcos Mutter spielt, und Herbert Knaup als sein Vater. „Ich habe mich schon damals gefragt, was dahinter steckt, als Marcos Verhaftung durch die deutschen Medien ging“, sagt Ferres. An Marcos Unschuld habe sie immer geglaubt. Was in der fraglichen Nacht im Sommer 2007 zwischen Marco und dem englischen Mädchen passiert ist, zeigt der Film, der nächsten Dienstag um 20.15 Uhr bei Sat.1 läuft, nicht. Er stützt sich allein auf Marcos Schilderungen, nach denen sich die zwei zwar wie Teenager „genähert“, aber eben keinen Geschlechtsverkehr miteinander gehabt haben.

Wie war das für Marco, den Film zu sehen, der übrigens auf dem Buch basiert, das er selbst über seine Zeit im türkischen Gefängnis geschrieben hat? „Durch den Film kommen die Erinnerungen schon noch einmal wieder hoch“, sagt der heute 21-Jährige, der sich gerade in Hamburg zum Rettungssanitäter ausbilden lässt. Aber er habe das Geschehene soweit verarbeitet. „Vergessen, denke ich, werde ich das nie. Aber ich kann es verdrängen.“

Von Stefanie Thyssen

Kommentare