Uelzener Kino boykottiert Film „Avengers“ wegen Preispolitik

Avengers? Nicht in Uelzen! „Ich kämpfe gegen Walt Disney“

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Kino-Geschäftsführerin Renate Böhm stellt sich quer gegen die neue Verleihpolitik des Disney-Konzerns. „Das ist so gravierend, dass man das nicht akzeptieren kann.“

Uelzen. „Walt Disney – nicht mit uns!“ Die Botschaft auf dem leuchtend orangen Aushang am Uelzener Central-Theater ist nicht zu übersehen – und ebenso wenig die Empörung im Gesicht von Kinochefin Renate Böhm.

Gemeinsam mit mehreren hundert Betreibern kleiner Kinos boykottiert sie den Film „Avengers: Age of Ultron“, weil der Verleih die Miete auf über 50 Prozent erhöht hat.

Sollte der US-amerikanische Konzern mit seiner Preispolitik durchkommen, befürchtet Böhm, würden bald auch andere Filmverleiher nachziehen. „Die Folgen sind existenzgefährdend.“

Eigentlich hätte der neue Science-Fiction-Streifen seit gestern über die Leinwände laufen sollen. Die Verträge seien längst in trockenen Tüchern gewesen, sagt Böhm. Doch dann das: 14 Tage vor Sendestart habe das Unternehmen die Bedingungen verändert: Statt der gängigen 47,7 Prozent des Eintritts verlange es jetzt 53, ist Renate Böhm entrüstet. Und mehr noch: Auch eine Mindestgebühr an der Kinokasse werde gefordert.

„Da sind die Wellen hochgeschlagen“, erinnert sich die Kino--Geschäftsführerin und will – wie viele andere Kinobetreiber in Kleinstädten bundesweit – Disney-Produktionen erst dann wieder ausstrahlen, wenn der Konzern seine neuen Verleihbedingungen zurücknimmt.

Denn diese würden unmittelbar das Portemonnaie der Kinobesucher belasten: Mindestens 14 Euro statt der sonst üblichen 9,50 Euro für einen 3D-Film hätte sie an Eintritt verlangen müssen, schätzt Böhm. Das will sich die 73-Jährige nicht gefallen lassen: „Kino darf nicht zum Luxus werden“, sagt sie.

Unterdessen macht sich unter Actionfilm-Liebhabern Verunsicherung breit. Am laufenden Band bekommt Renate Böhm seit Tagen Mails irritierter Kunden, die wissen möchten, warum der Streifen nicht im Programm steht. Die große Mehrheit bestärke sie in der Aktion, freut sich Böhm, die in den Kinostandort Uelzen gerade kräftig investiert.

Nachdem mehrere hunderttausend Euro unter anderem in eine neue Lüftung, eine Heizungs- und Brandmeldeanlage geflossen seien, steht jetzt die Renovierung des Kinosaals fünf auf dem Plan. Und das, obwohl mit Einführung des Mindestlohns auch die Personalkosten gerade in die Höhe schnellten.

Doch das halte sie von ihrem Streik nicht ab – im Gegenteil. Böhm ist fest entschlossen: „Ich kämpfe gegen Walt Disney – und gegen diese neue Verleihpolitik.“

Von Anna Petersen

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