Erste Zeugen sagen gegen Marc E. aus: Der 19-Jährige steht wegen fünf Raubüberfällen vor Gericht

„Ich fand den Blick verdammt irre“

Die Überwachungskameras haben alles festgehalten: Marc E. hat die Aral-Tankstelle, Veerßer Straße, überfallen.

Uelzen. Vier Tankstellen und eine Spielhalle hat er im Januar und Februar überfallen – obwohl er sich im selben Zeitraum bereits wegen anderer Taten vor dem Uelzener Amtsgericht verantworten musste: Gestern begann erneut ein Prozess gegen den 19-jährigen geständigen Angeklagten Marc E. aus dem Landkreis Uelzen.

15 Zeugen werden im Laufe der Verhandlung vernommen. Ein weiterer Bekannter des Täters begrüßte den in Handschellen hineingeführten Angeklagten bei Eintritt in den Gerichtssaal mit Umarmung. Als nach dem Verlesen der Anklage deutlich wurde, dass dieser dem 19-Jährigen wochenlang eine Übernachtungsmöglichkeit in seiner Wohnung bot sowie beim Überfall in der Spielhalle als Gast ebenfalls anwesend war, wurde er nachträglich des Raumes verwiesen und ebenfalls zur Aussage gebeten.

Beim zweiten Mal drohte er wieder mit einer Waffe.

Im Januar und Februar hatte Marc E. in vier Tankstellen und einer Spielhalle Mitarbeiter mit unterschiedlichen Waffen bedroht und dazu gezwungen, Bargeld herauszugeben. Mal zückte er ein Messer und mal hielt er warnend eine Schreckschuss-Pistole hoch, bei jedem Überfall war er maskiert. Nach dem letzten Überfall auf die Aral-Tankstelle, die sogenannte Blaue Lagune, wurde der Mann festgenommen. Knapp 3000 Euro hat der Hartz-IV-Empfänger, der im Januar noch in einem Lüneburger Restaurant beschäftigt war, insgesamt bei den Überfallen geraubt. „Der ausschlaggebende Punkt waren die Schulden“, versuchte Marc E. beim Prozessauftakt seine Taten zu erklären. 300 Euro habe er der Telekom geschuldet, rund 1000 Euro der Deutschen Bahn. Doch nach dem ersten Überfall auf die Aral-Tankstelle an der Veerßer Straße, zu dem er sich nach eigenen Angaben spontan im alkoholisierten Zustand entschieden habe, verwendete er die gestohlenen rund 850 Euro nicht zur Rückzahlung der Schulden. „Das meiste habe ich an Wochenenden für alkoholische Getränke ausgegeben“, berichtete er. Zudem habe er sich in Hannover davon Kleidung und eine vergoldete Kette gekauft – die er auch in der bereits laufenden Verhandlung im Januar trug, wie sich Richterin Angela Neßelhut nun im Nachhinein erinnert.

„Ich habe erst gar nicht erkannt, dass das ein Überfall sein sollte“, erinnerte sich der 47-jährige Mitarbeiter der Aral-Tankstelle an der Veerßer Straße an den 4. Januar. Er habe dem Räuber das Geld ausgehändigt mitsamt einer Tüte und anschließend seine Kollegin gefragt, ob das nun ein Überfall gewesen sei. „Das ist nicht profimäßig abgelaufen.“ Steif und breitbeinig „wie ein Roboter“ habe Marc E. sich durch den Verkaufsraum bewegt. Doch der starre Blick aus geweiteten Augen habe der 26-jährigen Mitarbeiterin Angst gemacht: „Ich fand den Blick verdammt irre“, erklärte die Zeugin. Als der Täter am 5. Februar erneut in dieser Tankstelle den Inhalt der Kasse forderte, habe der 47-jährige Angestellte ihn wiedererkannt, habe ihm rund 800 Euro überreicht und dazu gefragt, ob er eine Tüte wünsche.

Weniger ruhig verlief der Überfall am 22. Januar in der Spielhalle in Bad Bodenteich, zu dem sich Marc E. von Freunden fahren ließ, die nach seiner Aussage nichts von seinem Vorhaben wussten. Die Angestellte dort hatte noch knapp zwei Monate bis zum Ruhestand, als der maskierte 19-Jährige sie mit einer Schreckschuss-Pistole bedrohte. „Es war ein Schreck für mich, als der Mann hereinkam und nur seine Augen zu sehen waren“, schilderte die noch immer mitgenommene 65-Jährige. Durch ihren „grauenvollen“ Schrei seien zwei Gäste aufmerksam geworden. Einer von ihnen war der Freund des Angeklagten, der der Dame anschließend ein Glas Wasser reichte und versuchte sie zu beruhigen.

Sie wurde bis zum Beginn ihres Ruhestands am 1. April krank geschrieben und befinde sich noch immer wegen des Vorfalls in psychologischer Behandlung. Bei Dunkelheit habe sie noch immer Angst, machte sie deutlich. „Ich kann es nicht rückgängig machen“, sagte daraufhin der Angeklagte. „Aber es tut mir auf jeden Fall leid, dass das passiert ist. Es ist für mich ein kleiner Schock, dass Sie darunter leiden.“

Warum Marc E. am 31. Januar in anderer Sache zu einer Arbeitsauflage verurteilt worden war und dennoch am 5. Februar wieder einen Überfall verübte? „Ich habe nicht damit gerechnet, dass das auffliegt“, gestand der 19-Jährige.

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