Campingplatz-Bewohner hält Tiere, die Polizistin, Mofa-Fahrer und einen Jack-Russel-Terrier angreifen

„Ich dachte, er beißt sie tot"

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Vorstadt-Idylle: Hündin Ronja, Jana Merlitz und Brigitte Wilkens im Garten. Zwei Wochen nach dem Angriff sind die Fäden im Nacken des Terriers gezogen. Den Campingplatz meiden dennoch alle drei.

Uelzen. „Ich dachte, er beißt sie tot“, schildert Jana Merlitz die Szene am Uhlenköper-Campingplatz, in der Brigitte Wilkens’ Jack-Russel-Terrier-Weibchen Ronja vor zwei Wochen von einer Mastif-Mischlings-Hündin angegriffen wurde.

Die 17-Jährige aus Westerweyhe geht oft mit dem Hund der Nachbarin spazieren.

Die Begegnung mit Klaus Peter Neelen und seinen beiden kräftigen Tieren bei einer kleinen Runde am späten Abend sei der Hündin gleich unangenehm gewesen, so Jana: „Ronja hatte Schiss.“ Zu recht, wie sich zeigte. Neelens Hündin, im Unterschied zum Schäferhund ohne Maulkorb unterwegs, reißt sich los, springt auf Ronja und beißt sie mehrfach – bis Neelen das Tier, das sich samt Leine von ihm losgerissen hatte, wieder unter Kontrolle bringt. Weinend und zitternd kommt das Mädchen mit dem blutenden Hund nach Hause, ein Ebstorfer Tierarzt näht spätabends unter Narkose die Wunde.

Die Tierarzt-Kosten sind der Grund für Wilkens, den Kontakt zu Neelen noch am Abend zu suchen. Davon, den Mann auf seinen beiden Parzellen aufzusuchen, rät Thomas Körding ihr allerdings ab. Gegenüber der AZ erklärt der Campingplatz-Betreiber das später mit allgemeiner Vorsicht vor Hunden, mit Neelen selber gebe es keine Probleme. Man habe ihm im März, als er den Platz bezog, lediglich auferlegt, dass er die Tiere auf dem Campingplatz anleine und ihnen Maulkörbe anlege.

Auch Brigitte Wilkens’ Mann kommt bei Neelen nicht zum Zug. Einen Tag nach dem Angriff blitzt er bei ihm mit seinem Ansinnen ab, sich zur Schadensregulierung zu verständigen. Neelen erklärt hierzu gegenüber der AZ, dass er zwar versichert sei, die Vorgehensweise von Wilkens aber nicht angemessen fand und letztlich daran eine vernünftige Kommunikation gescheitert sei. Im übrigen sei Ronja nicht angeleint gewesen, was die Verantwortung für die Bisse ohnehin ändere.

Klaus Peter Neelen mit Mastif-Mischling und Schäferhund. Beide seien ungefährlich.

Auch bezogen auf den 22. April hat Neelen eine eigene Sicht. Schon damals waren Veterinäramt und Polizei auf ihn und seine Tiere aufmerksam geworden. Es kam zu einer Auseinandersetzung, bei der Neelen von den Mitarbeiterinnen des Amtes zunächst verlangte sich auszuweisen, sie aber auch entschieden von seinen Parzellen weist. Eine Polizeibeamtin wird bei dem Einsatz von einem der Hunde angegriffen und verletzt. Während die Polizei Anzeige wegen gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung erstattet, stellt Neelen die Rechtmäßigkeit des Einsatzes an sich infrage. Die Hunde seiem zudem von den Polizisten überrascht worden und hätten sich erschrocken. Es sei ihr gutes Recht, sein Privatgrundstück zu verteidigen.

Brigitte Wilkens erfährt nach dem Angriff auf Ronja von weiteren Vorfällen. Unter anderem – das räumt Neelen ein – wurde ein Mofa-Fahrer von einem seiner Hunde von dem Fahrzeug gestoßen. Neelen: „Der fuhr aber auch zu schnell zu nah an uns heran.“ Wilkens hingegen fragt: „Was muss passieren, bis die Behörden eingreifen?“

Für das Kreisveterinäramt bestätigt Kreissprecher Martin Theine zwar keinen Namen, teilt aber mit, dass Hunde eines Halters vom Campingplatz im Mai als gefährlich eingestuft wurden und das Gutachten zugestellt wurde.

Ein Halter, so Theine, bekomme für seine Tiere danach üblicherweise Auflagen wie ausbruchsicheres Einzäunen, Leinenzwang und Maulkorbpflicht und müsse innerhalb einer Frist von drei bis sechs Monaten die Hunde abgeben – wenn er keinen Antrag auf Haltung stelle. Dieser wiederbringe Auflagen wie einen Wesenstest für die Tiere und Zuverlässigkeits- und Sachkundenachweise mit sich.

In der ungeklärten Situation beschließt Wilkens: „Ich gehe da nicht mehr lang, so lange der da wohnt.“ Neelen bleibt überzeugt: „Meine Hunde sind nicht gefährlich.“

Von Steffen Kahl

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