Mit Jan Harlan kommt der Schwager und Filmproduzent von Kultregisseur Stanley Kubrick nach Oldenstadt

Hollywood-Flair bei Sommerakademie

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Jan Harlan (4.v.r.) nahm sich auch nach dem Dialog mit Hinrich Alpers (2.v.r.) die Zeit, um Fragen der Besucher zu beantworten. Er erzählte unter anderem, dass er in den Vatikan eingeladen wurde für eine Würdigung von „2001: Odyssee im Weltraum“.

Uelzen. Der Film ist Kult. „2001: Odyssee im Weltraum. “ Meisterregisseur Stanley Kubrick erzählt in Kapiteln vom Vordringen der Menschen ins All.

Für Filmliebhaber ist schon die Eröffnungssequenz im Weltraum legendär, zu der „Also sprach Zarathustra“ von Richard Strauss (1864-1949) erklingt. Wie kam Kubrick dazu, Weltraumszenen mit Strauss-Musik zu mischen? Jan Harlan weiß es: 30 Jahre war er Produzent von Kubriks Filmen. Am Donnerstagabend sitzt Harlan im Langhaus der Oldenstädter Klosteranlage und erzählt von der Produktion des Filmes: Die Musik habe Kubrick gepackt. „Er war in sie verknallt“, so Harlan. Aus der Liebe zu ihr entstand die Eröffnungssequenz in ihrer heutigen Fassung. Ein ursprünglich eigens engagierter Musikkomponist habe nichts mehr zu melden gehabt.

Harlan bietet an diesem Abend Einblicke in die Entstehungsgeschichten vieler weiterer Kubrick-Klassiker; wer Filme liebt, kennt sie: Clockwork Orange, Shining, Eyes wide shut, um nur ein paar zu nennen. Wie kommt es zu diesem ungewöhnlichen Abend mit Hollywood-Feeling in Oldenstadt? Die Internationale Sommerakademie ist wieder gestartet. Jährlich üben Musikstudenten mit Professoren im Historischen Zentrum Oldenstadt, im Kloster Medingen und im Schloss Holdenstedt. 35 Studenten sind in diesem Jahr angereist; vor allem aus dem asiatischen Raum.

Bis zum Sonntag, 3. Juli, wollen sie Stunde um Stunde ihr Spiel an Klavier und Bratsche verbessern. An den Abenden sind zahlreiche öffentliche Vorspiele und Konzerte geplant – und zur Eröffnung hat Hinrich Alpers, Künstlerischer Leiter der Sommerakademie, Jan Harlan für ein Besuch in Oldenstadt gewinnen können.

Die Einladung an den 79-jährigen Harlan hatte ihren Grund: Ohne ihn als Filmproduzent und Schwager Kubricks wäre die enge Verbindung von Film und klassischer Musik in dessen Werken wohl nie zustandegekommen. Ihm ist damit zu verdanken, dass auch Stücke von György Ligeti Eingang in die Filme fanden. Und der 2006 gestorbene Komponist Ligeti ist in diesem Jahr bei der Akademie Schwerpunkt-Thema. Am kommenden Dienstag, 28. Juni, wird es auch ein Konzert zu Ehren des Komponisten geben (19 Uhr im Langhaus).

Für gewöhnlich arbeite er, Harlan, heute mit jungen Filmstudenten zusammen und sitze in Jurys, sagt er der AZ. Für die Sommerakademie aber plaudert er im Dialog mit Hinrich Alpers über die Eigenheiten des Starregisseurs Kubrick, zeigt Filmausschnitte, vermittelt dabei, wie wichtig dem Regisseur die Musik in seinen Filmen war. Keine Note durfte herausgeschnitten werden, lieber wurde die Szene länger gedreht, verrät Harlan. „Und dies immer mit einem kleinen Team.“ Kubrick sei es nicht in erster Linie um eine realistische, sondern um eine interessante Darstellung der Dinge gegangen.

Nicht nur interessiert, sondern ganz angetan ist die kleine Schar an Zuhörern, die Harlan an diesem Abend sprichwörtlich an den Lippen klebt. So gibt es noch Fragen an den 79-Jährigen, als man schon bei Wein und Käse-Würfeln vor dem Langhaus steht.

Jeder Film, möge er noch so gut sein, endet einmal, und auch Harlan muss sich am Donnerstag schließlich von den Gästen verabschieden. Er will den Abend noch die Heimreise nach England antreten, wo er seit 1969 lebt.

Von Norman Reuter

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