Uelzens Bürgermeister Otto Lukat über die die jüngsten Gewaltausbrüche und die Arbeit der Justiz

„Hoffe auf abschreckende Wirkung“

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Der Jurist Otto Lukat ist seit 2001 Bürgermeister der Stadt Uelzen. Er ist verheiratet und Vater dreier Kinder. Lukat lebt im Stadtteil Königsberg.

Uelzen. Schläge mit einer Bierflasche, Tritte auf den Kopf eines wehrlos am Boden liegenden Kneipengängers, Schutzgelderpressung eines Geschäftsmannes – schwere Vorwürfe erhebt die Staatsanwaltschaft gegen fünf Mitglieder einer Bande von Heranwachsenden, die sich monatelang in Uelzen austobte.

Bürger äußern in Leserbriefen und Internet-Foren ihre Angst über eine besorgniserregende Entwicklung. Im Interview mit der AZ nimmt Bürgermeister Otto Lukat erstmals Stellung zu den Vorfällen der vergangenen Wochen.

Herr Lukat, wann sind Sie das letzte Mal spätabends durch die Uelzener Innenstadt gegangen?

Das war vor ungefähr drei Wochen.

Und haben Sie sich da unwohl gefühlt?

Nein, kann ich nicht sagen. Muss man Angst haben, wenn man nachts durch Uelzen geht?

Nein. Aber ich kann nachvollziehen, dass ein Spaziergang im Dunkeln von jedem anders und damit individuell empfunden wird.

Auch ich bin vor kurzem zwei Personen begegnet, die hinter dem alten Rathaus pinkelten und habe sie zur Rede gestellt. Die haben mich erkannt und sich sofort entschuldigt. Im Nachhinein habe ich mir schon überlegt, dass aus solcher Situation ein Konflikt entstehen kann.

Sind die Gewalt-Vorfälle der vergangenen Wochen hier im Rathaus ein Thema?

Ja, natürlich. Insgesamt auch die Besorgnishaltung von Eltern, deren Kinder nachts unterwegs sind. Der Vorfall an der Gudesstraße war ein Einzelfall in Uelzen, der uns in eine sehr unrühmliche Reihe von Großstädten eingeordnet hat. Wir sind erleichtert, dass uns nach den Festnahmen durch die Polizei keine weiteren Vorfälle im Zusammenhang mit den Geschäftsleuten bekannt geworden sind. Wie reagieren Sie auf solche Vorfälle?

Wir stehen in engem Kontakt mit der Polizei. Die Polizei ist mit den richtigen Ansätzen ja auch erfolgreich und wir sind gemeinsam auf einem guten Weg. Wir beobachten die Situation aber weiterhin genau und die Polizei geht höchst sensibel mit der Problematik um. Ich möchte auch an Betroffene appellieren, dass Probleme oder Informationen über kriminelle Aktivitäten an die Polizei weitergegeben werden.

Was erwarten Sie von Polizei und Justiz, um die Bürger zu schützen?

Sollten sich Tathergänge im Laufe der strafrechtlichen Verfahren bestätigen, hoffe ich auf Urteile des Gerichts, die eine abschreckende Wirkung haben. Gewisse Dinge dürfen nicht geschehen – da erwarte ich, dass mit allen Mitteln der Rechtsordnung vorgegangen wird.

Und präventiv?

Da ist zum einen das Streetworker-Projekt, wo wir gerade eine Finanzierung auf die Beine zu stellen versuchen. Damit werden wir aktiv auf die Gruppen zugehen.

Und wir werden die Vorfälle auch zum Thema im Präventionsrat machen, für den zählt diese Problematik zu seinen Kernaufgaben.

Von Thomas Mitzlaff

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