Hochseil-Akrobatik im Wald

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Per Seilkrananlage werden die geernteten Baumstämme in luftiger Höhe transportiert.

bs Uelzen/Landkreis. Ungewöhnliche Dinge haben sich jetzt in den Privatwäldern rund um Bargfeld und Eimke ereignet: Holzstämme sausen – fast wie von Geisterhand bewegt – mit 40 bis 50 Kilometern pro Stunde in den Baumkronen hoch über dem Boden durch die Erlenbestände, um nach mehreren hundert Metern Luftfahrt auf einen großen Holz-Sammelplatz herabzusinken. So sieht es zumindest für den Betrachter aus der Ferne aus.

Bei näherem Hinsehen entschlüsselt sich das Rätsel: Auf einem Waldweg steht eine Seilkrananlage mit einem 20 Meter hohen Turm, von dem aus bis zu 1200 Meter lange Seillinien in den Waldflächen entlang des Weges verlaufen. An einem Tragseil – in luftiger Höhe hängend – werden dann die in den Waldflächen geernteten Stämme zum Waldweg transportiert und dort weiter aufgearbeitet.

„Ursprünglich stammt diese Technik aus dem Bergland, wo sie für den Holztransport in Steilhängen entwickelt wurde, die mit den üblichen Holzrückefahrzeugen aus Sicherheitsgründen nicht mehr befahren werden können“, erklärt Armin Menge vom Forstamt Uelzen. Zwei Forstwirte fällen die zu entnehmenden Bäume mit der Motorsäge und hängen sie an Transportseile. Nach der luftigen Beförderung mit der Seilkrananlage werden sie auf dem Waldweg von einem Holzernte-Prozessor eingeschnitten und danach zum Ferntransport in die Sägewerke auf Trailer verladen.

Die Waldmärkerschaft und das Forstamt Uelzen haben sich entschlossen, diese Technik nun auch in den hiesigen Wäldern einzusetzen. „In unserer Region gibt es große Waldbereiche, insgesamt mehrere tausend Hektar, die von besonderer ökologischer Bedeutung sind“, erklärt Menge. Allen voran seien dies Erlenwälder auf alten Moorstandorten und sehr nassen Böden. Diese könnten mit schweren Holzerntemaschinen nicht befahren werden, weil sonst die Zerstörung dieser für den Naturschutz wertvollen Bereiche nicht auszuschließen wäre.

Erstmals sei es möglich, ohne Bodenschäden in den Beständen die Erlenwälder zu pflegen, das Wachstum der verbleibenden Bäume zu fördern und gleichzeitig auch Gutes für das Ökosystem zu tun. Denn durch die vorsichtige und bodenschonende Entnahme einzelner Bäume komme mehr Licht an den Waldboden, so dass sich dort mehr Pflanzen ansiedeln könnten, erläutert Menge.

Allerdings ist dieses Verfahren deutlich teurer als die herkömmliche Holzernte. Die Waldbesitzer sind sich aber einig, „dass die höheren Kosten für die Holzernte sinnvoll eingesetzt sind“, sagt Markus Hecker vom Vorstand der Waldmärkerschaft Uelzen. „Die Holzernte mit Seilkrananlagen wird aufgrund der hohen Kosten sicher nicht zum Standardverfahren in der Lüneburger Heide werden“, meint Menge. „Sie kann aber da, wo es aus naturschutzfachlichen Gründen geboten ist, zu einer zukünftigen Alternative werden.“

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