Gottesdienst für Menschen mit Demenz und Angehörige im Kirchenkreis

Hinein ins Leben

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70 bis 80 Prozent der Bewohner von Pflegeheimen sind an Demenz erkrankt. Ein Gottesdienst in St. Johannis soll dabei helfen, diese Menschen zu integrieren.

Uelzen. 70 bis 80 Prozent der Bewohner in Pflegeeinrichtungen leiden an Demenz. Das berichtet Silke Jäschke vom Seniorenbegleiterbüro der Evangelischen Familien-Bildungsstätte Uelzen. Dass die Zahl an Demenzerkankungen wächst, hat verschiedene Ursachen, erklärt sie.

Neben der Altersdemenz nehme die Erkrankung auch unter jungen Menschen zu, bedingt durch einen „ausschweifenden Lebensstil“. Demenz könne aber auch als Folge einer Diabetes-Erkrankung auftreten.

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Wenn die Persönlichkeit verblasst

Silke Jäschke sowie Pastor Ulrich Hillmer und Annegret Krogmann vom „Café Vergiss-meinnicht“ wollen deshalb in der Öffentlichkeit die Schwelle der Berührungsängste senken und die Erkrankten „mit hinein nehmen ins Leben“, berichten sie. Daher bereitet das Trio derzeit den ersten Gottesdienst für Menschen mit Demenz und deren Familien im Kirchenkreis Uelzen vor. Eingeladen sind zu dem Termin unter dem Motto „Vergiss mein nicht“ am Sonntag, 9. Februar, um 10 Uhr in der Uelzener St.-Johannis-Kirche am Hagenskamp ebenso die Gemeindemitglieder und Menschen, die vom Thema Demenz betroffen sind, sowie alle anderen Interessierten. In Lüneburg gibt es einen solchen Gottesdienst seit 2008. Dort wird zweimal jährlich dazu eingeladen.

„Man weiß zu wenig darüber und schiebt das Thema weg bis zu dem Moment, in dem es einen persönlich berührt“, weiß Pastor Hillmer. Wer sich damit auseinandersetze, stelle fest, dass für die Erkrankten der Moment zähle, Gefühle im Vordergrund stünden und Erinnerungen an die weiter zurückliegende Vergangenheit stärker seien als an jüngere Ereignisse. Diese Punkte wollen die Organisatoren mit dem Gottesdienst berühren. Mit der Zeichnung von Wasserzeichen auf der Hand soll an die eigene Taufe erinnert werden, es soll miteinander gesungen, gebetet und erzählt werden. Dabei gehe es um Greifbares, so dass die Gäste alte Strukturen wiederfinden und dem Programm folgen können. Auch der Posaunenchor Holdenstedt wird spielen. Im Anschluss wird zum Kaffee ins Gemeindehaus eingeladen, und für Menschen mit Handicap bieten die Paritätischen Dienste einen Fahrdienst an.

„Menschen mit Demenz ziehen sich oft zurück, um zu vermeiden, dass ihre Erkrankung bemerkt wird“, berichtet Silke Jäschke. Ebenso würden Angehörige vorgehen, doch eigentlich müsste das Gegenteil der Fall sein. „Die Menschen brauchen Rat und Unterstützung.“ Dazu wollen die Gemeinde St. Johannis, das „Café Vergiss-meinnicht“ für Demenzkranke und deren Angehörige sowie das Seniorenbegleiterbüro mit dem Gottesdienst beitragen.

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