Konzert in Uelzen zugunsten der Flüchtlingsarbeit

Countertenor Alex Potter: Himmlisches für bessere Integration

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Alex Potter vermag die Stimme in Höhen zu schrauben, die Männern sonst verwehrt bleiben. Die Gabe nutzt er nun, einen Beitrag zur Flüchtlingsintegration zu leisten.

Uelzen. Alex Potter kennt das Gefühl, fremd in einem Land zu sein. „Ich bin ein Ausländer“, sagt der 36-Jährige, der vor drei Jahren nach Uelzen zog. Potter stammt aus England, wuchs in einem – wie er sagt – „ziemlich bunten“ Stadtteil im Südosten Londons auf.

Seine Heimat verließ er aus Liebe zu seiner Frau, ihre Eltern leben in der Lüneburger Heide, und für die Musik. Potter hat eine Gabe: Er vermag in Höhen zu singen, die Männer sonst verwehrt bleiben. Deshalb ist der Countertenor nicht nur in Uelzen gemeldet, sondern in vielen Ländern zu Gast. All das bewegt ihn, seinen eigenen Beitrag zur Integration von Flüchtlingen zu leisten.

Potter ist gerade von einer Tournee zurückkehrt. Er sang Konzerte in fünf Ländern – das nächste will er in Uelzen geben. Am Freitag, 23. September, wird er ab 19 Uhr in der St.-Marien-Kirche zu erleben sein. Sein Gesang wird begleitet von den Instrumentalmusikern Kirsty Whatley (Barockharfe), Frauke Hess (Viola da Gamba) und Michael Fuerst (Orgel). Potter und die Musiker wollen Musik aus dem 17. Jahrhundert vortragen.

Das Konzert ist ein Gemeinschaftsprojekt: Die Woltersburger Mühle und die dort ansässige Initiative „Integration durch Arbeit“ (IdA), der Kirchen Kreis Uelzen sowie die Musiker organisieren es. Ein Eintritt wird nicht erhoben. Spenden sind aber erwünscht. Sie seien für die Flüchtlingsarbeit bestimmt, sagt Potter.

Mit dem deutschen Begriff Flüchtlingsarbeit hadert der Sänger. Mal abgesehen davon, dass der Begriff missverständlich gedeutet werden könne. Schließlich geht es nicht um die Arbeit von Flüchtlingen, sondern für Flüchtlinge. Die Bezeichnung Flüchtlinge beschreibe eine anonyme Masse, hinter der viele Einzelschicksale stünden. Potter sagt: In ein fremdes Land zu ziehen, die Sprache nicht zu beherrschen, sei bereits eine Herausforderung für ihn gewesen. Alles zurücklassen zu müssen und nicht zu wissen, was kommt, wie bei den Flüchtlingen sei, könne er sich nicht ausmalen, so 36-Jährige. Umso wichtiger sei es, dass die Menschen in Deutschland „ankommen“ könnten und die Flüchtlingsarbeit sei dabei ein wichtiger Baustein.

Mit dem Programm „Himmlische Liebe“ will Potter möglichst viele Besucher zum Benefizkonzert locken. Mit Werken von Schütz oder Buxtehude werden weniger fromme als vielmehr leidenschaftliche Texte zu hören sein. Es gebe Bezüge zu den Opern der Zeit, sagt Potter, und damit werde es „dramatisch.“

Von Norman Reuter

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