...muss im Landtag aber in die Opposition / „Grüner“ Scholing im Landtag

Hillmer holt Direktmandat...

Jubel über den Gewinn des Direktmandates, Enttäuschung über den Verlust der Regierungsmacht: Jörg Hillmer erlebte ebenso wie seine politischen Kontrahenten ein Wechselbad der Gefühle. Foto: Schulze

Landkreis. Gegensätze pur: Sonntagabend, kurz nach der 20-Uhr-Tagesschau, jubelt Jörg Hillmer inmitten von Parteifreunden, Sympathisanten und Familienangehörigen. Zum dritten Mal in Folge hat der CDU-Politiker den hiesigen Wahlkreis direkt gewonnen.

Knapp vier Stunden später, kurz vor Mitternacht, spricht die Enttäuschung aus Hillmers Worten. Soeben ist das Endergebnis in Hannover bekanntgegeben worden. Regierungswechsel! Rot-Grün übernimmt das politische Ruder. Jörg Hillmer muss trotz seines persönlichen Wahlerfolges in die Opposition.

„Das wird eine schwierige Regierungszeit für Rot-Grün, aber natürlich kann mit einer Stimme Mehrheit regiert werden“, verweist der Christdemokrat auf niedersächsische Beispiele aus den 80er und 90er Jahren. „Aufgrund der hauchdünnen Mehrheitsverhältnisse müssen die Abgeordneten immer abstimmungsbereit sein. Da gibt es kein langes Diskutieren auf den Gängen des Landtages. Da hat man keine freie Minute.“ Im Notfall müsste ein kränkelnder Abgeordneter halt im Krankenbett ins Parlament geschoben werden.

Bei den Erststimmen hatte sich Hillmer nach Auszählung der 173 mit 44,5 Prozent durchgesetzt. Damit erreichte er fast sein Ergebnis aus dem Jahr 2008 (46,1). Sylvia Meier (SPD) kam auf 33,9 Prozent. Vor fünf Jahren landete der damalige SPD-Direktkandidat Jacques Voigtländer bei 34,6 Prozent. Der Bündnisgrüne Heiner Scholing schaffte 12,2 Prozent – im Vergleich zum grünen Erststimmen-Ergebnis aus dem Jahr 2008 ein Plus von 6,1 Prozentpunkten. Für die FDP fuhr Rainer Fabel 3,6 Prozent der Erststimmen ein (minus 0,1 Prozentpunkte). Linken-Kandidatin Ria Nass landete bei 2,9 Prozent, „Pirat“ Titus Tscharntke sicherte sich 1,8 Prozent und Dieter Müller (Bündnis 21/Rentnerinnen- und Rentnerpartei) holte 1,03 Prozent der Erststimmen. Während sich Hillmer mit dem Erststimmen-Ergebnis „zufrieden“ zeigte, mussten die Christdemokraten bei den Zweitstimmen im Wahlkreis Uelzen mächtig Federn lassen. Waren es vor fünf Jahren noch 44,5 Prozent, reichte es diesmal nur zu 37,1 Prozent – ein sattes Minus von 7,4 Prozentpunkten. Die SPD verbesserte sich leicht um 0,72 Prozentpunkte auf 30,2 Prozent. Die Bündnisgrünen schafften 14,8 Prozent – ein Plus von 6,8 Prozentpunkten. Auch die FDP legte zu und erreichte 9,9 Prozent (plus 3,5 Prozentpunkte). Die Linken schafften 2,9 Prozent (minus 2,7).

Ebenso wie Jörg Hillmer erlebten auch Sylvia Meier, Heiner Scholing und Rainer Fabel ein Wechselbad der Gefühle. Alle drei Direktkandidaten hofften bis in die Nacht auf ihren Einzug in den Landtag über die Landesliste ihrer jeweiligen Partei. Bei Redaktionsschluss um 1.15 Uhr war Scholing „drin“, Fabel „draußen“ und Sylvia Meiers Polit-Schicksal noch ungewiss.

Weitere Wahlberichte lesen Sie in der gedruckten Ausgabe oder in unserem E-Paper.

Von Andreas Becker

Kommentare