Schuldnerberatung: Vor Weihnachten ist Zahl der Ratsuchenden größer

Hilfegesuche vor dem Fest

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Auf sie wartet in den nächsten Wochen viel Arbeit: Clemens Jansen (v.l.), Astrid Jansen-Kuhnke, Ralf Ritter und Christine Ritter sind das Team der Schulden- und Insolvenzberatung der Caritas.

Uelzen. Ralf Ritter und das Team der Caritas-Schuldner- und Insolvenzberatung wissen: Es liegen arbeitsreiche Wochen vor ihnen. Vor Weihnachten bis in den Januar hinein, das zeigt die Erfahrung der vergangenen Jahre, steigt die Zahl der Ratsuchenden.

Ralf Ritter, der seit vielen Jahren schon Schuldner berät, weiß: Keiner will zu Weihnachten ohne Wasser, Strom und Heizung sein, also werde gehandelt. Auch würden Betroffene sich „gute Vorsätze“ für das neue Jahr nehmen, ergänzt Clemens Jansen vom Schuldner- und Insolvenzberatungsteam des Caritasverbandes Uelzen/Lüchow-Dannenberg. Zudem, so Jansen, würden auch die Gläubiger zum Jahresende noch „reinen Tisch“ machen wollen. „Die Eingänge werden kontrolliert und es wird geschaut, ob womöglich eine Verjährung ansteht“, berichtet er.

Allzuoft würden die Betroffenen den Weg zu den Beratungsstellen viel zu spät finden, mahnt Jansen. „Die Ratsuchenden kommen, wenn die Heizung oder der Strom schon abgestellt sind oder wenn der Bankautomat die Auszahlung verweigert“, schildert er. Dann hoffe man auf eine schnelle Lösung durch die Beratungsstelle. Ralf Ritter stellt in diesem Zusammenhang klar: „Die Caritas tilgt keine Schulden.“ Es gebe keinen Fonds, mit dem offene Rechnungen beglichen würden. Er erlebe immer wieder, dass Schuldner im Glauben, sie bekämen ihre Schulden abgenommen, sich an die Beratungsstelle wenden. „Wir sprechen mit den Gläubigern, wir setzen auch Schreiben auf und wir erarbeiten mit den Betroffenen Lösungsansätze, aber wir begleichen keine Schulden“, unterstreicht er. Deshalb sei es wichtig, dass die Betroffenen schon die Hilfe der Schuldner- und Insolvenzberatung in Anspruch nehmen, wenn sich eine schwierige Situation abzeichnet. Der Idealfall sei jedoch, so Christine Ritter, dass gar keine Schulden gemacht werden. Aus diesem Grund erfolge seit gut fünf Jahren durch die Caritas-Beratungsstelle in Uelzen auch eine Präventionsarbeit, teilweise schon in den Kindergärten, damit frühzeitig ein Gefühl für den richtigen Umgang mit Geld entwickelt werde.

„Häufig verschulden sich junge Menschen, weil sie die Prioritäten falsch setzen und weil sie zu leichtfertig Verträge abschließen, beispielsweise mit Telefonanbietern“, so Christine Ritter. Nach drei, vier Monaten würden sie dann feststellen, dass sie die Raten, die Beiträge und die Abschläge nicht mehr zahlen können. Das leichtfertige Ausgeben von Geld sei aber nur ein Grund, warum Menschen in den Schuldensog geraten, erklärt Astrid Jansen-Kuhnke. Der Verlust der Arbeit und vor allem auch Trennungen seien oft für eine schwierige finanzielle Situation verantwortlich. „Ein Haus wird gemeinsam finanziert, dann steht man plötzlich alleine da. Und hat womöglich für den Partner und die Kinder noch Unterhalt zu zahlen“, so Jansen-Kuhnke. Immer öfter treffe man nun in der Beratungsstelle auch ältere Menschen an, die sich wegen einer geringen Rente sich verschulden würden, so Clemens Jansen.

Von Norman Reuter

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