Hilfe bei psychischen Störungen

Stiftung „Leben leben“ baut Behandlungszentrum für behinderte Menschen

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Dr. Tomas Müller-Thomsen (links) und Jörn H. Dieterich sind zwei Mitarbeiter des neuen Behandlungszentrum. Mit Kerstin Leibrandt, die bei „Leben leben“ für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, stellten sie gestern das Konzept der neuen Einrichtung vor.

Uelzen. Die Bundesregierung hat den Weg bereitet; jetzt nutzte die Stiftung „Leben leben“ die neue Gesetzgebung im Gesundheitssystem.

Sie baute in Uelzen ein Behandlungszentrum für Menschen mit körperlichen Behinderungen oder geistigen Einschränkungen auf, die zusätzlich unter psychischen Erkrankungen leiden. In der Fachwelt wird von einer sogenannten Doppeldiagnose gesprochen.

Erste Patienten aus Walsrode, Soltau oder Winsen an der Luhe wurden bereits zur neuen Einrichtung, die Zulassung besteht seit dem 11. August, überwiesen. Das Behandlungszentrum habe ein Einzugsgebiet von rund 200 Kilometern, informiert Psychotherapeut Jörn H. Dieterich im Gespräch mit der AZ.

„Einzugsgebiet von rund 200 Kilometern"

Ein bis zwei Prozent der Bevölkerung sind geistig behindert, ihre Intelligenz ist gemindert oder sie erreichen nicht den Reifegrad von Erwachsenen ohne Behinderung. Per se leiden Betroffene aber nicht an psychischen Erkrankungen – sind aber, so erklärt Dieterich, dafür anfälliger. Ein Mensch, der sich auf dem geistigen Niveau eines Sechs- bis Achtjährigen befinde, werde im Laufe der Zeit mit Themen wie Berufsleben oder Sexualität konfrontiert, so Dieterich. Nicht leicht für den Betroffenen. Bei Auftreten von dann psychischen Störungen fehle dem Hausarzt die Zeit oder womöglich das Wissen für die richtige Diagnose und die Behandlung. Mit dem Medizinischen Behandlungszentrum für Erwachsene mit geistiger oder schwerer Mehrfachbehinderung, kurz MZEB, gebe es nun eine Anlaufstelle in Uelzen für solche Fälle, sagt Dieterich. Mit den Haus- und Fachärzten aus der Region stünde das Behandlungszentrum bereits in engem Kontakt und die Mediziner hätten die neue Einrichtung begrüßt.

Der Standort Uelzen für das MZEB kommt nicht von ungefähr. Seit 2011 gibt es in der Hansestadt bereits das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) am Hammersteinplatz. Dort betreuen zwei Psychotherapeuten und zwei Psychologen sowie ein Arzt für Jugend- und Kindermedizin Patienten. Diese Spezialisten bilden auch das Team für das neue Behandlungszentrum, das zunächst in den Räumen des MVZ untergebracht ist. Zugelassen wurde das neue Zentrum für zunächst zwei Jahre, eine Entfristung ist perspektivisch angedacht. Wie Dieterich erklärt, sei der tatsächliche Bedarf noch eine Unbekannte. Er und seine Kollegen werden anhand der Fallzahlen über die Einstellung weiterer Psychologen und Psychiater beraten. Dann erst würde auch über Investitionen in ein eigenes Gebäude gesprochen.

Von Norman Reuter

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