Vorschlag für die Ehrenamtswahl: Karin Vetter-Urban steht Menschen bei Bürokratie-Fragen zur Seite

Mensch 2015: Hilfe im Formular-Dschungel

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Karin Vetter-Urban nimmt mit Ratsuchenden so manche Bürokratie-Klippe. Manchmal ist sie bis zu fünfmal wöchentlich ehrenamtlich im Einsatz.

Uelzen. „Formulare, Formulare...“ sind für viele Menschen ein Schrecken, weiß Karin Vetter-Urban.

Nicht nur, weil die Papiere für viele nicht verständlich sind, sondern auch, weil Menschen Formulare meist dann benötigen, wenn sie in einer Notlage sind und ein korrekt ausgefülltes Antrags-Formular letzte Rettung ist. „In meinem Beruf als Bürovorsteherin eines Anwaltsbüros standen Menschen schon weinend vor mir, weil sie an einem Formular verzweifelt sind“, erzählt die Uelzenerin.

Die 54-Jährige berichtet, dass zu Beginn der Ausbildung auch ihr die Fragen zu Tabellen und Kästchen Angst machten. Schon lange gilt Vetter-Urban aber als ausgesprochene Spezialistin für Formulare – und mit ihrem Wissen hilft sie in der Familie, in der Nachbarschaft oder im Bekanntenkreis. Auch Institutionen und Einrichtungen wenden sich immer öfter an sie.

Für ihren Einsatz ist Karin Vetter-Urban bei der Wahl „Mensch 2015“ nominiert worden, eine Aktion der AZ und der Sparkasse Uelzen Lüchow-Dannenberg in Zusammenarbeit mit dem Volkswagen Zentrum Uelzen. Bis Mittwoch, 27. Januar, können die AZ-Leser ihre Stimme abgeben – nur mit Originalcoupons aus der AZ. E-Paper-Kunden können aber auch mit einem Ausdruck des Coupons teilnehmen, wenn sie darauf ihre Kunden-Nummer eintragen.

„Kannst du mal sehen, ob ich das richtig ausgefüllt habe“, ist ein Satz, den Vetter-Urban oft hört. Sie hilft dann: „Ich kann doch keinen wegschicken, der einen unüberwindbaren Berg vor sich liegen hat, der für mich wie im Spaziergang zu bewältigen ist.“ Das Ausfüllen eines Hartz-IV-Antrages kann dabei bis zu eineinhalb Stunden dauern.

Ehrenamtlich engagiert sie sich auch beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) und beim Jugendmigrationsdienst (JMD), wo sie sich anfangs für Integration einsetzte, mit kleineren Kindern spielte und den größeren bei den Hausaufgaben half. Dort erreichten sie ebenfalls Anfragen, ob sie nicht zwischendurch einmal auf ein Formular schauen könne. Heute ist sie vollständig beim Jugendmigrationsdienst für diesen Aufgabenbereich zuständig. „Es wurden ja auch immer mehr Anfragen, die von den hauptamtlichen Mitarbeitern im JMD nicht alleine bewältigt werden konnten“, so Vetter-Urban.

Inzwischen ist sie auch Formular-Lotsin bei der Stadt Uelzen. Das Familienservicebüro sucht ebenfalls bei ihr Unterstützung. Anträge für Wohngeld, Hartz-IV, Rente, Asylverfahren, Schwerbehinderten-Ausweis … Es gibt kein Formular, das sie nicht schon in der Hand hatte, ist sie sich sicher.

Seit Karin Vetter-Urban wegen einer chronischen Erkrankung in Frührente gehen musste, hält sie sich bei der Gartenarbeit im Schrebergarten zurück. „Solange die Kinder noch im Haus waren, haben wir noch Gemüse und Obst angebaut.“ Und ihrem Sport, dem Fechten mit Florett, Säbel und Degen beim Turnverein Uelzen, kann sie nicht mehr nachgehen, unterstützt aber den Verein mit dem, was sie am Besten kann, genau so wie den „Verein zur Förderung der Kunst im Kreativen Speicher“, und – schon wesentlich länger – den „Verein Historisch Uelzen“. Und immer wenn das Rathaus anruft, verabredet Vetter-Urban sich mit den Hilfesuchenden. Punkt für Punkt der Formulare und Anträge geht sie mit den jeweiligen Personen durch. Bei Flüchtlingen muss auch ein Dolmetscher hinzugezogen werden, wenn Fragestellungen weit über die üblichen persönlichen Daten hinaus gehen.

Ihr Lohn: „Die Leute sind immer so froh, wenn sie den vermeintlichen Berg mit mir gemeinsam überwunden haben“, freut sie sich. Ein bisschen peinlich war Karin Vetter-Urban die Nominierung für die Wahl „Mensch 2015“ zunächst. Für sie ist es selbstverständlich, anderen zu helfen, wenn die sie brauchen.

Von Angelika Jansen

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