Mensch 2011: Alireza Nabizadeh füllt eine Lücke beim Jugendmigrationsdienst

Hilfe auf drei Sprachen

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„Mensch 2011“ auf drei Sprachen: Der Nominierte Alireza Nabizadeh unterstützt Zuwanderer, die sich im Landkreis Uelzen neu zurechtfinden müssen und übersetzt für sie zum Beispiel bei Behördengängen.

Uelzen. Der Jugendmigrationsdienst Uelzen (JMD) bietet jungen Zuwanderern und deren Familien Integrationshilfen in vielfältiger Form an. Es sind nicht nur ausgebildete Sozialarbeiter, die jungen und erwachsenen Menschen Orientierung und Zukunftschancen geben.

Es sind auch ehrenamtliche Mitarbeiter, die ein wichtiges Bindeglied zwischen den Sozialarbeitern und den ausländischen Mitbürgern bilden.

Alireza Nabizadeh ist einer von ihnen. Deshalb wurde er gemeinsam mit neun weiteren Personen für den Wettbewerb „Mensch 2011“ der AZ und der Sparkasse Uelzen Lüchow-Dannenberg in der Kategorie Ehrenamt nominiert. Der 19-jährige Sohn afghanischer Eltern ist im Iran geboren und dort aufgewachsen. Mit 16 Jahren erfolgte die Rückkehr in das Heimatland seiner Eltern. Im kriegsgeschüttelten Afghanistan ist Alireza Nabizadeh nie richtig glücklich geworden und suchte die Herausforderung. Allein verließ er das Land seiner Eltern und fand über Oldenburg im Sommer 2010 den Weg nach Uelzen.

Ein Freund bat ihn um Begleitung in den Jugendmigrationsdienst, um einen Brief zu übersetzen. Alireza spricht persisch, arabisch und englisch. Und findet an der Arbeit in den Uelzener Räumen des JMD Gefallen, sucht und bekommt nicht nur selbst Hilfe, sondern engagiert sich mehr und mehr in der Migrationsarbeit.

In einem dort angebotenen Sprachkurs lernt er innerhalb von sechs Monaten deutsch. „Das Erlernen der Sprache ist wichtig für eine Integration“, stellt Alireza fest, der sich seit August in einer Ausbildung zum Auto-Mechatroniker befindet. „Es ist einfacher, sich mit deutsch in der neuen Umgebung zurechtzufinden und nach Hilfe und Unterstützung zu fragen.“

Im Uelzener JMD hat der junge Afghane stets Ansprechpartner gefunden, die ihm weiterhelfen konnten. „Dafür bin ich sehr dankbar und möchte einiges durch meine ehrenamtliche Arbeit zurückgeben.“ Nach Schule oder Ausbildung nimmt er seine Aufgaben im Migrationsdienst wahr. Pünktlich und zuverlässig. Dabei lächelt Nabizadeh. Gerade diese den Deutschen zugeschriebenen Tugenden hält er auch für seinen eigenen Stärken und auf die man nicht nur bei der Migrationsarbeit nicht verzichten kann. „Wenn ich mal tatsächlich etwas später komme, macht man sich hier schon Sorgen“, witzelt er ein wenig.

Angefangen hatte es mit der Hilfe bei Hausaufgaben, später kamen das Übersetzen von Briefen und Behördenschriftstücken dazu oder das Begleiten zu Behörden und Arztterminen. Er sucht ausländische Familien zuhause auf, spricht mit ihnen, versucht, Probleme zu lösen. „Ich bin happy, wenn ich weiterhelfen kann“, sagt er bescheiden und nimmt seine helfende Stärke aus seinen eigenen Erfahrungen und Situationen. Für Alireza, den hier alle Ali nennen, ist es wichtig, dass die jungen Menschen ihre Potentiale erkennen und sich in die Gemeinschaft einfügen.

Inzwischen hat er auch seine „eigene Schulklasse“. Im JMD bringt er vier Jugendlichen die persische Sprache bei. Und dabei geht es recht ungezwungen zu. Sie lauschen nicht nur den freundlichen Worten, sondern schauen auch faszinierend auf die Tafel, wenn Alireza schwungvoll aus dem Handgelenk fast zeichnerisch die persische Schrift vorstellt.

Von Ulrich Bleuel

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